Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Samstag, 18. Januar 2020
AVISO: Fachtag Liturgie im Vikariat Süd
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Freitag, 24. Januar 2020
Vikariat Süd: Lektorenkurs
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Freitag, 24. Januar 2020
Vikariat Wien-Stadt: Ausbildungskurs für Begräbnisleiter/innen
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Samstag, 25. Januar 2020
Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
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Samstag, 15. Februar 2020
Vikariat Süd: Brot und Wein - Erlebnisnachmittag für Erstkommunionkinder
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PGR-Fachtag im Vikariat Wien-Stadt - Samstag 20.11.2004

Dr. Roland Schwarz

Beziehungskultur

Was erwartet Sie/euch heute?
1. Wir wollen die biblischen Texte danach befragen, wie unsere Beziehungen gelingen können, schwerpunktmäßig jene im Leben der Pfarrgemeinden. Dabei soll es nicht nur um Konflikte gehen, sondern zuerst um eine positive Vision von geglücktem Zusammenleben. Bezüglich der Konflikte möchte ich zunächst allgemein mögliche Probleme in Gemeinden ansprechen, am späteren Nachmittag speziell Spannungen zwischen Amtsträgern und den übrigen Gemeindemitgliedern.
2. Unsere Fachtagung findet im dritten Bibeljahr unserer Diözese statt, das unter dem Thema "Gehen. Und Verkünden." steht. Deshalb möchte ich zwei Methoden der Bibelarbeit vorstellen, die auch in den Gemeinden für das Gespräch anhand biblischer Texte hilfreich sein können. Diese Methoden werden auch konkret ausprobiert.

Zunächst also wichtige Aspekte einer Beziehungskultur, die in der Bibel grundgelegt sind. Wer diese ersten Gedanken ausführlicher nachlesen möchte, sei auf meinen Beitrag im neuen Jahrbuch der ED Wien hingewiesen:
Die Krise unserer Gesellschaft ist – so sehe ich es –eine Krise der Beziehungsfähigkeit. Es fällt vielen Menschen vermehrt schwer, tragfähige Beziehungen zu knüpfen. Umfragen ergeben, dass gute Freundschaften als Wunsch hoch im Kurs stehen. Gleichzeitig gestehen viele, nicht bereit zu sein, sich auf Dauer festzulegen und regelmäßig Zeit und Fantasie in eine Beziehung zu investieren. Immer mehr junge Menschen erleben schon von Kindheit an einen ständigen Wechsel von Bezugspersonen und können sich so eine dauerhafte Freundschaft emotional kaum mehr vorstellen.

1. Meine wichtigste These: Die verlorene Dimension in den unterschiedlichen Beziehungen ist die Dimension der Vertrautheit. Antoine de Saint-Exupery: „Du bist zeitlebens verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast.“

1.1.Was meine ich mit "Vertrautheit"? Ich erkenne im anderen nicht nur irgendwen, sondern ich erfahre unsere Beziehung als einmalig und unwiederholbar. Aufgrund der Erfahrung der Vertrautheit gebe ich dem anderen einen festen Platz in meinem Leben, er oder sie wird ein Stück meiner selbst. Seine Probleme sind auch die meinen, seine Freuden sind auch meine Freuden. Mit dem Wachsen der V. verliert der andere immer mehr jegliche Fremdheit. Ich fühle mich beim anderen geborgen, zu Hause. Ich fühle mich so angenommen, dass ich nicht ständig um meinen Platz kämpfen muss. Ich habe keine Angst, den anderen verlieren zu können.
V. entsteht auch durch eine gemeinsame Geschichte. Deshalb sind etwa Reisen, Ferienlager u.ä. besonders gute Nährböden für gute Beziehungen. Das gemeinsame Durchstehen negativer Situationen aber natürlich auch das Erleben schöner Stunden können eine Freundschaft prägen (Kriegserlebnisse).
Die Erfahrung der V. ist letztlich nicht im Einzelnen begründbar. Deshalb ist es auch unsinnig, größere V. einzufordern oder vorzuspielen.
Es gibt ein unterschiedliches Maß an V. Ich kann nicht mit allen Menschen, die ich kenne, eine tiefe Freundschaft pflegen. Auch der Briefträger ist mir vertraut, aber das Maß ist ein anderes als bei einer verbindlichen tiefen Freundschaft. Der andere braucht Signale, um dieses Maß ablesen zu können. Das rechte Maß von Nähe und Distanz ist für das Gelingen einer Beziehung unerlässlich.
Einige Beispiele aus der Bibel, die veranschaulichen, was mit Vertrautheit gemeint ist: Jonatan liebt seinen Freund David „wie sein eigenes Leben“ (1 Sam 20,17); der Mann verlässt Vater und Mutter, bindet sich an seine Frau und wird mit ihr „ein Fleisch“ (Gen 2,24); Gott wird in seiner Liebe zur Stadt Jerusalem und ihren Bewohnern mit einer Mutter verglichen, die nicht auf ihr Kind vergessen kann, er hat sie in seine Hände eingezeichnet (Jes 49,15f); Jesus ist der gute Hirt, den die Seinen an der Stimme erkennen (Joh 10,4); Maria aus Magdala erkennt den Auferstandenen, als er sie bei ihrem Namen ruft (Joh 20,16). Gerade dieses spontane Erkennen des Freundes an seinen Eigenarten ist ein Ausdruck der Vertrautheit. So ist es ein Zeichen von Vertrautheit, wenn man etwa am Telefon den anderen bereits an der Stimme erkenne noch bevor er oder sie den Namen genannt hat.

1.2. Aus dieser grundsätzlichen Einsicht ergibt sich etwa in einer Gemeinde unter Mitarbeitern der Wunsch, einander nicht nur als Funktionäre, sondern als Geschwister zu betrachten. Es geht nicht in erster Linie darum, wie nützlich der andere ist, der andere ist nicht nur durch seine Funktionen interessant, sondern als einmaliges von Gott gewolltes Abbild seiner selbst. Das ist ein Gedanke, den sich bei den Vorbesprechungen Pfarrer Hofer sehr gewünscht hat und den ich nun auch biblisch belegen möchte: Für Paulus sind nicht nur die Tüchtigen und die Wohlhabenden in einer Gemeinde interessant, sondern "gerade die schwächer scheinenden Glieder sind unentbehrlich ... Gott ließ dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen" (1 Kor 12,22.24).
Im ersten Timotheusbrief lässt der Verfasser den Apostel zu seinem Schüler Timotheus sagen: "Trink nicht nur Wasser, sondern nimm auch etwas Wein, mit Rücksicht auf deinen Magen und deine häufigen Krankheiten" (1 Tim 5,23). Es ist fraglich, ob diese Therapie medizinisch gesehen wirklich zu empfehlen ist, aber bedeutsam ist dabei: Paulus interessiert nicht nur, ob Tim seiner Aufgabe in Ephesus perfekt nachkommt, sondern es ist ihm wichtig, dass es ihm persönlich, auch gesundheitlich, gut geht. Das Interesse an den Freuden und Nöten des anderen sind also unabdingbare Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.

2. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Beziehungskultur: die Verwirklichung und Förderung des anderen steht über der Selbstverwirklichung. In den vergangenen Jahrzehnten wurde zurecht betont, dass die Eigenliebe eine notwendige Voraussetzung für eine gesunde Psyche ist. Richtig ist auch, dass ich lernen muss, mich gegenüber Überforderungen abzugrenzen. Doch heute scheint es mir, dass aus diesen richtigen Einsichten heraus für viele die Selbstverwirklichung an oberster Stelle steht.
Wer von uns kennt wohl keine eifrigen und oft auch durchaus kompetenten Mitarbeiter, bei denen man aber den Eindruck nicht los wird, es ginge ihnen mehr um die eigene Anerkennung als um die Vision des Gottesreiches. Paulus schreibt einen wichtigen Satz: "Gebt euch Mühe, dass ihr vor allem zum Aufbau der Gemeinde beitragt" (1 Kor 14,12). Die tollsten Begabungen sind nutzlos, wenn sie nur der Selbstdarstellung dienen und nicht der Lebensqualität anderer.
Die Kunst des konstruktiven Mitarbeitens besteht darin, dass einer einerseits Ideen und Fantasie hat, diese auch gut begründen kann, aber andererseits auch fähig ist, zu merken, wenn eine Idee dem Aufbau der Gemeinde nicht wirklich dient, wenn die anderen das nicht wirklich wollen, was man selbst gern hätte. Diese gesunde Dialektik zwischen eigener Meinung und dem liebevollen Hinhören auf die anderen, das macht eine gute Mitarbeit aus. Biblische Sätze wie "Ordnet euch einander unter!" (Eph 5,21) oder "In Demut schätze einer den anderen höher ein als sich selbst" (Phil 2,3) mögen dies Sicht bestätigen.
Obwohl Pl ganz durchdrungen war von seiner Forderung, nichtjüdische Christen hätten sich nicht an die jüdischen Reinheits- und Speisegebote zu halten, hat er doch Rücksicht auf die religiösen Gefühle Andersdenkender gezeigt: Er lässt etwa seinen neuen Mitarbeiter Timotheus mit Rücksicht auf die Juden, die in jener Gegend wohnten (gemeint ist Derbe und Lystra), beschneiden und das obwohl er gerade zuvor in Jerusalem durchgesetzt hatte, dass den Heidenchristen die Last der Gesetzesbefolgung nicht zugemutet werden soll (Apg 16,3). Mit Rücksicht auf die Juden lässt Paulus laut Apg 21,26 im Tempel Opfer darbringen.
Im 1 Kor bittet er auch, auf das Gewissen anderer Rücksicht zu nehmen: Selbst wenn man als Christ weiß, dass es keine Götzen gibt und deshalb ohne Skrupel den Göttern geopfertes Fleisch essen darf, soll man nicht davon essen, wenn das einem anderen Probleme macht (1 Kor 10,23-33). Er schreibt: "Wenn eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben" (8,13).
Das Aufkommen neuer Ideen innerhalb einer Glaubensgemeinschaft stellt schon biblisch vor die Frage: Geht es dabei um eine legitime, ja notwendige Fortschreibung der bisherigen Tradition oder um einen Bruch? Letztlich kann dies nicht nur durch die Befragung autoritativer Texte beantwortet werden, sonder nur mit Hilfe des Heiligen Geistes.
Ich denke, die heute in allen Kirchen feststellbare Spannung zwischen jenen, die fürchten, dass gute Traditionen vorschnell über Bord geworfen werden und anderen, die mit Hilfe des Glaubens auch neue Antworten auf neue Fragestellungen suchen, die dies auch durch neue Ausdrucksformen bekräftigen wollen, diese Spannungen wären sicher weniger schmerzlich, wenn neue Ideen behutsamer eingebracht worden wären. Ich stehe nicht an zuzugeben, dass hier auch bei Vertretern der Bibelwissenschaft ein Mangel an Einfühlungsvermögen festzustellen war und ist. So ist die Exegese in den Ruf gekommen, die Gläubigen nur verunsichern zu wollen.

3. Eindeutig entgegenzutreten ist aufgrund biblischer Texte die heute auch unter Christen verbreitete Ansicht, auch feste Freundschaften, Partnerschaften und die Ehe hätten ein natürliches Ablaufdatum. Man spricht etwa von Lebensabschnittspartnern.
So sehr es natürlich richtig ist, dass wir über gescheiterte Beziehungen nicht von außen her den Stab brechen dürfen, so ist dennoch mit aller Klarheit festzustellen, dass tiefe Freundschaften (nicht nur Ehen) in der Bibel stets als Beziehungen auf Dauer gesehen werden, deren Zerbrechen kein natürlicher Korrosionsprozess ist, sondern ein Defizit, ein Mangel und/oder Schuld.
Dementsprechend berief Jesus die Zwölf "damit sie bei ihm seien" (Mk 3,14); es werden in der Passionserzählung auch Frauen genannt, "die ihm in Galiläa nachgefolgt waren und ihm dienten" (Mk 15,41; vgl. auch Lk 8,1-3). In diesem engsten Kreis werden einige Namen besonders oft genannt: Maria von Magdala, Simon Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes. Das waren keine unverbindlichen gelegentlichen Kontakte, sondern verbindliche Freundschaften. So kann Paulus sogar von sich sagen, dass Christus – den er ja in seinem irdischen Leben nie gesehen hat - "in ihm lebt" (Gal 2,10) und im Evangelium nach Johannes wird die gegenseitige Beziehung zwischen Christus und den Getauften als "in ihm Bleiben" (15,4) verstanden. Ein weiteres Beispiel für Verbindlichkeit: Die christlichen Gemeinden des Anfangs haben sich ohne entsprechende Vorschriften aus eigenem Antrieb regelmäßig zum Gottesdienst getroffen (Apg 2,46; 20,7).
Wir wissen wohl alle, wie schmerzlich es ist, wenn aktive Gemeindemitglieder sich von heute auf morgen ohne Kommentar verabschieden. Natürlich können familiäre oder berufliche Veränderungen, auch gesundheitliche oder psychische Probleme die bisher gepflegte Präsenz schwierig oder unmöglich machen, aber ich muss mir bewusst sein, dass ich sowohl menschliche als auch funktionale Verantwortung übernommen habe, die ich nicht nur aus einer Laune heraus oder aus der momentanen Begeisterung für neue Kontakte an den Nagel hängen darf.
Den dazu gegensätzlichen Trend der Zeit finde ich in einem Liedtext von Wolfgang Ambros unter dem Titel "Selbstbewusst" ausgesprochen:
Wann i kum, wos i tua,
mit wem i red' und wann i geh,
is ganz allanich mei Kaffee.
I tua nur des, wos ma g'foit.
Und weiter:
Wos i moch und ob i's moch,
und wia i's moch, wann i wos moch
und ob i no waß, wos i tua,
kummt ganz drauf an,
wia i mi fühl.

4. Urbild aller Beziehungen ist die Treue Gottes zu seinem Volk. Das hebräische Wort ämät bedeutet sowohl Liebe als auch Treue. Ein besonderes Gewicht liegt in der Bibel darauf, dass die Beziehung zwischen Menschen ihre Kraft durch die Nähe Gottes erfährt, ja geradezu seine Liebe zu uns Menschen abbildet. Einige Beispiele: Tobias und Sara beten in der Hochzeitsnacht miteinander (8,4-9); David und Jonatan betrachten ihre Freundschaft als „Bund vor dem Herrn“ (1 Sam 20,8); die Liebe Christi zu seiner Kirche ist Vorbild für die Liebe zwischen Mann und Frau (Eph 5,25); die Lebenshingabe Jesu soll Maßstab unserer Beziehungen in den christlichen Gemeinden sein (Joh 15,12f: "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe."). Durch die Nähe Gottes erfährt der Mensch seinen Eigenwert und braucht sich nicht ängstlich an seinen Partner zu klammern. Deshalb ist es problematisch, wenn einer sagt: "Ohne dich kann ich nicht leben!" Die Erfahrung der Geborgenheit bei Gott schenkt mir auch eine Lockerheit in den Beziehungen: Ich brauche mir die Erfüllung aller Wünsche nicht von den Menschen, auch nicht von guten Freunden erwarten, ich kann so auch mit den Schwächen anderer besser umgehen und überfordere sie nicht ständig. Ich brauche mich an andere nicht ängstlich zu klammern und gebe sie auch frei für andere Beziehungen und Interessen. Das Wort Jesu zu Maria aus Magdala "Halte mich nicht fest!" (Joh 20,17) gilt auch für Freundschaften unter christlichen Geschwistern.
Ich denke, es ist eher eine Gemeindeutopie, wenn einer glaubt, in einer christlichen Gemeinde müsse sich jede und jeder mit allen anderen in einer ungetrübten Harmonie verbunden fühlen. Die Gemeinde ist keine Kuschelgruppe, die ohne Abstriche gut tut. Auch wenn es in der Apg heißt, dass die Gemeinde "ein Herz und eine Seele" gewesen wäre (4,32), so sehen wir doch in derselben Schrift, wie viele Spannungen es gegeben hat. Die perfekte emotionale Harmonie ist ein mit aller Kraft anzustrebender Idealzustand, aber meist nicht wirklich gegeben.
Ich selbst plädiere in der eigenen Gemeinde dafür, dass jede und jeder sich einen kleinen Kreis von Menschen sucht, in dem er oder sie sich wirklich geborgen und akzeptiert fühlt. In diesem Kreis wäre etwa auch ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch anhand biblischer Texte am richtigen Platz. Aus dieser Geborgenheit heraus kann ich auch besser die Fouls verkraften, die nun einmal durch das Zusammenleben von Menschen auch in einer Gemeinde passieren.

5. Auch die Gütergemeinschaft der Urgemeinde in Jerusalem ist eine idealisierende Darstellung des Lk ("sie hatten alles gemeinsam"). Denn gleich unmittelbar danach wird beschrieben, was darunter zu verstehen ist: Wenn eine reiche Familie Grundstücke besaß, dann verkaufte sie eines davon, wenn Notleidende in der Gemeinde einen dringenden Bedarf an materiellen Mitteln hatten. Doch es gab sicher keinen Urkommunismus in den einzelnen Gemeinden in der Weise, dass es kein privates Eigentum gab.
Dennoch denke ich auch für die eigene Gemeinde über Möglichkeiten nach, wie man auch einen gewissen materiellen Ausgleich zuerst in der Kerngemeinde schaffen könnte. Denn Schwester und Bruder durch den Glauben an Jesus zu sein ist ja nichts rein Theoretisches, sondern sollte auch praktische Konsequenzen haben. Die Frage ist nur: Wie wird ein materieller Ausgleich für die Nehmenden nicht zum demütigenden Almosen und wie ist es für die Gebenden auch in gewissem Maß kontrollierbar? Wie macht man es, dass nicht nur jene bekommen, die ständig über die eigene Situation jammern?
Da es in der Anfangszeit der Kirche keine Gotteshäuser gab, stellten reiche Gemeindemitglieder ihre Häuser als Versammlungsstätten zur Verfügung. Ich könnte mir vorstellen, dass es in unseren Tagen für finanziell schlecht Gestellte hilfreich wäre, wenn es in den Räumlichkeiten der Pfarre im Rahmen eines Pfarrkaffees oder eines Pfarrheurigen möglich ist, sich mit Freunden zu treffen. Denn es gibt immer mehr Familien, die es sich nicht leisten können, mit anderen in ein Restaurant zu gehen oder auch sie nach Hause zum Essen einzuladen.

6. Einen letzten Punkt, den ich aus biblischen Texten für das Gelingen unserer Beziehungen ableiten möchte: Die Zuwendung zu anderen bedarf auch der Zeichen. Wir vergessen oft darauf, durch ein Wort des Lobes, des Dankes, der Anerkennung oder durch ein ehrliches Lächeln, ein unerwartetes passendes Geschenk anderen zu zeigen, dass wir sie mögen.
Ein Blick in die Bibel: Jonatan beweist David seine Zuneigung, indem er ihn durch ein Zeichen vor der Verfolgung durch Saul schützt (1 Sam 20,19-22). Er schenkt ihm außerdem seinen Mantel, die Rüstung, das Schwert, den Bogen und den Gürtel (1 Sam 18,4). – Gott setzt nach der Sintflut seinen Bogen in die Wolken, um der Menschheit Frieden und Sicherheit anzuzeigen (Gen 9,13); Jesus schenkt seinen Jüngern Brot und Wein als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart (Mt 26,26-29).
Zeichen schenken dem Partner Beziehungssicherheit, die Grundlage jeder emotionalen Entfaltung ist. Ein Anruf, eine Email, eine Karte, ein Brief zeigen dem anderen: Ich denke an dich. Du hast einen festen Platz in meinem Herzen. Das Schlimmste ist wohl, wenn niemand mehr an mich denkt. "Tot ist, wer vergessen ist", habe ich kürzlich auf einer Parte gelesen. Von daher ist es einsichtig, wie wichtig in der Bibel das Gedenken Gottes ist. Als klassisches Beispiel Psalm 8,5: "Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?" (hebr. sakar).
Unter den Zeichen für Beziehungen kommt auch dem gesprochenen Wort eine besondere Bedeutung zu. Ich denke, es wäre schön, wenn wir lernen könnten, über die eigene Beziehung auch miteinander zu reden. Denken wir wieder an Jesus, der seine Jünger ungeniert fragt: "Für wen haltet ihr mich?" Mit anderen Worten: Wer bin ich für euch? Welchen Stellenwert habe ich in eurem Denken und Fühlen? – Wenn Freunde den Mut und die Offenheit aufbringen, über die Beziehung zu sprechen ist das mit Sicherheit eine ungeheure Bereicherung.
So weit einige Aspekte einer Beziehungskultur aus der Bibel. Besonders gefragt ist eine gute Beziehungskultur jedoch im Falle des Konfliktes, unterschiedlicher Interessen und Meinungen.
Dazu Näheres am Nachmittag.