Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Samstag, 18. Januar 2020
AVISO: Fachtag Liturgie im Vikariat Süd
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Freitag, 24. Januar 2020
Vikariat Süd: Lektorenkurs
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Freitag, 24. Januar 2020
Vikariat Wien-Stadt: Ausbildungskurs für Begräbnisleiter/innen
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Samstag, 25. Januar 2020
Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
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Samstag, 15. Februar 2020
Vikariat Süd: Brot und Wein - Erlebnisnachmittag für Erstkommunionkinder
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Ein anderer Rückblick auf die Periode …

Wenn Sie nach diesen nahezu vollen fünf Jahren auf Ihr Wirken im PGR blicken, muss es nicht ausschließlich um Fakten gehen. Zwar ist es wichtig, Erfolge zu feiern und ebenso wichtig,  über das ins Reine zu kommen, was weniger gelungen ist. Dabei kann leicht sehr viel Energie darauf verwendet werden, nach den Ursachen zu forschen und die Konsequenzen festzulegen etc. So können Dinge jedoch auch zerredet werden. Die Situation der Kirche verführt ein Stück weit dazu, sich an solchen Themen zu verhängen. Man möchte ja beitragen, dass die Kirche „gut dasteht”. Aber darüber gibt es unterschiedliche Meinungen und es funkt die Makro-Ebene hinein: Themen,  die medial sehr präsent sind und dennoch am Stand zu treten scheinen. Solche Unzufriedenheit verlegt sich gern in den PGR selber.

Sie sind eben auch im Pfarrgemeinderat ein Mensch, mit Gefühlen, mit einer Vision für Ihr Leben. Wäre es am Ende einer Periode nicht auch geraten, zurückzuschauen, wie Ihre gemeinsame Arbeit beigetragen hat, dass Sie sich als Mensch entfalten konnten? Dabei geht es nicht allein um die „spirituelle Seite” – da geht es um das ganze „Mensch-sein”; um die Grundfrage, ob es Ihnen möglich war, gut in diesem Gremium zu sein – oder ob sie eher das Gefühl haben, sie mussten sich sehr anpassen, sehr zurückhalten, durften diese oder jene Meinung gar nicht äußern, es wurde Ihnen der erforderliche Raum und die Wertschätzung nicht entgegengebracht, die jeder Mensch braucht.

Wenn wir Menschen nicht das Gefühl haben, wirklich frei und unbehindert sein zu können in einer Gemeinschaft, beginnen wir uns zu verstellen und die Zusammenarbeit erleidet oft eine seltsame Erschwernis, von der niemand recht weiß, woher sie kommt. Dinge werden kompliziert, am Ende recht kraftlos und der einzelne fühlt sich sehr leicht im Stich gelassen bzw. zieht sich zurück. Hat es damit zu tun, dass wir uns selber viel lieber erfolgreich, kompetent, souverän präsentieren, oder auf eine bedürfnislose Einfachheit ausweichen, ehe wir bereit sind, auf den Tisch zu legen, was in uns nicht passt, wo es in uns selber hakt und wo uns Dinge – an uns selbst, und unserem Leben, an den Anderen, an der Zusammenarbeit, am Pfarrer – stören? Womit wir nicht klar kommen, weil es Lebensthemen berührt, unter denen wir u.U. schon lange leiden?

Meiner Erfahrung nach werden auch solche Gefühle lieber in den Sachbereich abgeschoben, als direkt angesprochen. Dort landen sie meist als Vorwürfe an andere, innerhalb und außerhalb des PGR, bis hin zum Papst, und werden selten positiv beantwortet. Der Preis ist oft, dass zwar vieles geschehen ist, manchmal perfekt sogar, aber trotzdem bleibt etwas Schales zurück. Mitunter überrascht der/die eine oder andere mit der Ankündigung, nicht mehr kandidieren zu wollen und löst Ratlosigkeit aus. Äußerlich kann man die Gründe schwer nachvollziehen …

Die PGR-Studie 2009 hat u.a. gezeigt, dass ein Klima des Aufbruchs zu den wichtigsten Faktoren der Zufriedenheit gehört. Wir sollten Aufbruch aber nicht rein äußerlich verstehen. Christlich sind wir immer zum Wachstum gerufen, zum Wachstum im Glauben und zum Wachstum im Leben und das heißt immer auch, zu einem Mehr an Selbstwerdung. Damit soll nicht die persönliche Ebene gegen die Kirchenebene ausgespielt werden nach dem Motto: egal wie Kirche in der Öffentlichkeit da steht, wenn wir gut zueinander sind, klappt es im PGR schon. Nein – es würde auch zum Wachstum gehören, für Überzeugungen einzustehen, sie in Freiheit zu äußern und das erfordert Selbststand. Die Voraussetzung ist dabei immer das Abstand nehmen von gegenseitiger Verurteilung und Schuldzuweisung zugunsten eines entschiedenen Eintretens für die Lebensentfaltung und die lebensfördernden Kräfte des Glaubens. Dazu genügt es noch nicht, Sätze des Evangeliums gegen Dogmen oder amtliche Aussagen  zu stellen.  Diese Lebensentfaltung muss sich nicht zuletzt durch schmerzhafte Erfahrung bezeugen, die sich dort öffnet, wo man sich unverstellt begegnet und die im Durchtragen zu einer echten Glaubenserfahrung werden kann. So kann der PGR auch eine Glaubensgemeinschaft werden und dringt über ein rein organisatorisches Wirken durch zum Wesen von Kirche.

Vielleicht liegt Ihnen daran, auch von dieser Seite auf die abgelaufene Periode zu blicken – denn: zufriedene- zum Frieden gekommene -  Pfarrgemeinderäte sind die beste Werbung, so die Studie.  Wollen Sie einander danach fragen?

Mag. Johannes Pesl
PGR-Referent