Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Samstag, 26. Januar 2019
Vikariat Wien-Stadt: Kurs für Leiter/innen von Wort-Gottes-Feiern mit Berechtigung zur Kurzansprache, Teil 1
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Samstag, 16. Februar 2019
AUSGEBUCHT Vikariat Wien-Stadt: Ausbildungskurs für e.a. Mesner/Mesnerinnen - 1. Teil
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Samstag, 23. Februar 2019
Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
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Samstag, 23. Februar 2019
Vikariat Wien-Stadt: Weiterbildungsnachmittag für Leiter/innen von Wort-Gottes-Feiern
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Samstag, 9. März 2019
Vikariat Süd: Leitung von Wortgottesfeiern mit Kurzansprache
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„Das Wirken Gottes im Pfarrgemeinderat erkennen …“

Die Ergebnisse der PGR-Studie als geistlicher Impuls 

Statistische Ergebnisse bleiben ohne Wirkung, wenn sie nicht dazu führen, den Zeichen der Zeit nachzuforschen, die sich darin ausdrücken – oder anders gesagt, den „Kairos“ zu erkennen, der sich in der Befindlichkeit und im Potential der Pfarrgemeinderäte unserer Diözese und des Landes auftut. Dafür bedarf es eines gelassenen, weder von Panik noch von Euphorie geprägten Blickes:

Anhand der Stichworte zu den einzelnen Schritten, die den Ergebnissen der PGR-Studie 2009 entnommen sind, können Sie für sich ganz persönlich und für den PGR in ihrer Pfarre (gemeinsam) nachsinnen: wie ist es eigentlich bei mir – bei uns -  mit dem Fundament, mit den Krisen, mit den Aufbrüchen? Dabei ist es weniger wichtig, sich mit dem österreichweiten Durchschnitt zu vergleichen als die eigene Wirklichkeit in der Pfarre aus dieser Perspektive zu bedenken: Wo stehe ich? Wo stehen wir? – Was ist mir, was ist uns aufgetragen, zu lösen? – Wohin kann ich mich – wohin können wir uns auf den Weg machen?

Der erste Schritt: „Was Gott uns Großes schenkt …“

Pfarrgemeinderäte sind eine kulturelle Elite im Land; im Kontext unserer Gesellschaft ausgezeichnet durch ein hohes Potential an Solidarität sowohl im kleinen wie im Großen, durch wenig Anfälligkeit für Autoritarismus, durch einen lebendigen Glauben an Gottes Präsenz in dieser Welt und im Leben der Menschen. Pfarrgemeinderäte „halten den Himmel offen“ und gestalten Ihr Leben aus der Erfahrung der Liebe Gottes, die die ganze Schöpfung erfahren soll.

Pfarrgemeinderäte sind motivierte Menschen: zur  Hälfte dadurch, im PGR mitzuarbeiten aus dem Glauben heraus, um „Gottes willen“, für die Kirche und für das Reich Gottes; Die Kirche als das Grundsakrament der Einheit zwischen Gott und Mensch braucht Begeisterte, braucht mich!
Eine andere Hälfte ist zur Mitarbeit deshalb motiviert, weil sie auf Gott und sein Reich hin konkret etwas bewegen möchten, die Pfarre mitgestalten,  und Mitverantwortung übernehmen. Sie möchte auch persönlich etwas davon profitieren, intensiver mit dem Glauben in Kontakt kommen, aber auch  etwas lernen dabei, das für das persönliche Leben insgesamt.

In jedem PGR gibt es Auseinandersetzung mit biblischen Themen und Glaubensfragen – Die Rückbindung auf Christus als die Mitte unseres Tuns im PGR erfolgt durch eine geistliche Einstimmung in die Sitzung, durch Einkehrtage, Klausuren, u.ä.

Priester haben zu 80% Zutrauen in ihren Pfarrgemeinderat – die Pfarrgemeinderatssitzungen sind nicht nur lästige Termine oder anstrengende Gespräche, sondern letztlich auch bereichernde Erfahrung einer gemeinsam getragenen Aufgabe, gemeinsamer Verantwortung.

Die Zufriedenheit der Pfarrgemeinderäte ist – jedenfalls in Summe betrachtet – hoch:
Mit der Gemeinschaft im PGR 80%, Mit der Zusammenarbeit  74%, Mit dem Pfarrer und seiner Rolle  68%, Mit dem PGR insgesamt  74%, Mit der Arbeit (dem Output)  69%! Am höchsten ist die Zufriedenheit, wo man neue Akzente setzen kann in der Pfarre, ein Klima des Aufbruchs herrscht und der Pfarrer es gut versteht, theologische Inhalte in das Leben der Menschen zu übersetzen.

Impulsfragen
Überdenken Sie für Sich/in kleinen Gesprächsgruppen innerhalb des PGR auf diesem Hintergrund das Fundament  Ihres Pfarrgemeinderates? Wie steht es um diese Fragen bei mir, bei uns? Was sind die Dinge, die Sie stärken, die sie gut stehen lassen in diesem Engagement? Was ist ihr ganz persönliches Fundament für ihre Tätigkeit im PGR? (Ihre Motivation, ihre Überzeugungen, ihre Grundhaltung, ihre Gesinnung, ihre Erfahrung mit dem Glauben und mit Kirche) – wo erfahren sie  die Nähe und Zuwendung Gottes in der Arbeit im Pfarrgemeinderat?

Der zweite Schritt:  „Was Gott uns zu lösen zumutet …“

Nahezu in ganz Österreich lassen sich ähnliche Besorgnisse der Pfarrgemeinderäte im Blick auf ihre Pfarre feststellen. Wird es auch in Zukunft genügend Mitarbeiter in der Pfarre geben? Wie kommt es zu einem solchen Rückgang des Gottesdienstbesuchs? Der zunehmende Verlust der Jugend, die nicht in die Fußstapfen der Eltern-Generation treten will; Schließlich: Wird die Pfarre eigenständig bleiben und einen eigenen Pfarrer haben oder wird sie von einer größeren Einheit „geschluckt“?

Es gibt auch Beeinträchtigungen der Arbeit im PGR;  durch Zeitmangel und Zeitnot, aber auch durch Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit – dem  Mangel an Ergebnissen, verlorene Sitzungszeit, wenn man sich im Kreis dreht; vielleicht durch Konflikte oder deren Vermeidung;
Durch Überlastung mit Aufgaben, für die  früher eigentlich ein Priester zuständig gewesen war oder dadurch, dass man alleingelassen wird durch einen Mangel an weiteren MitarbeiterInnen, einen Mangel an Zusammenhalt…

Auch der Blick auf das Umfeld kann beunruhigen: Wie geht es weiter in der Kirche? Mit den ewig unlösbaren Fragen, mit den Umstrukturierungen in der Pfarrlandschaft, mit dem Priestermangel? Warum reagiert die Kirche nicht schneller, nicht entschlossener, warum beharrt sie immer nur….
Was wird aus Veränderungen in der Gesellschaft: Verschiedene Kulturen, Migration, Rückgang der Katholiken - Aber auch die grenzenlose Meinungsfreiheit, die religiöse Vielfalt, die der Kirche keine Autorität mehr zuspricht, die vielen Menschen, die sich ihre Religion („Religionskomponisten“) selber basteln, die man nicht mehr überzeugen kann.

Impulsfragen
Überdenken Sie wiederum für sich/ in einer kleinen Gesprächsgruppe die Situation ihres Pfarrgemeinderates: wo erleben sie Krisen und Unsicherheit? Wodurch wird ihr kraftvolles Engagement gebremst, was macht es ihnen schwer, sich einzubringen und voranzukommen? Wo finden sie nur schwer einen Weg, die Sicht der Dinge mit anderen in Übereinstimmung zu bringen, gestärkt zu werden oder andere zu stärken? Wo erscheint ihnen Gott dabei schmerzlich abwesend und wo sehnen sie sich nach erfahrbarer Hilfe?

Der dritte Schritt: „Wie Gott uns aufbrechen lässt…“

Die PGR Studie zeigt, dass es viele Ansätze zu neuen Aufbrüchen gibt.
Der PGR kann Akzente setzen, was auf der Tagesordnung sein soll; Einem Drittel gelingt es bereits, sich zu lösen von der reinen Routine des Kirchenjahres, wo die Pfarraktivitäten sich von Jahr zu Jahr wiederholen, und mehr Zeit für Arbeit an einer Vision für das Ganze der Pfarre, für ein Leitbild aufzubringen ... für die Grundfragen des Glaubens, der Verkündigung, der Diakonie, der Bedeutung des Glaubens in der Welt von heute… für das, was pastoral vorrangig sein muss in der Pfarrarbeit.

Ein Drittel der PGRäte haben begonnen,  an dem zu arbeiten, was vor Ort hier und jetzt notwendig und sinnvoll erscheint, neue Wege zu  gehen auch wenn sie damit bisherige Grenzen überschreiten oder umgekehrt Begrenzung zulassen müssen: nicht jede Pfarre kann/muss alles tun, sondern sie darf an den Stärken ansetzen, was sich gut entwickelt hat. Jede/r einzelne im PGR kann an seinen Stärken ansetzen, kann/muss nicht alles tun… der PGR: eine „Zukunftswerkstatt“

Knapp die Hälfte sieht es als ganz wichtig an, sich Zeit zu nehmen für religiösen Austausch und Gemeinschaft. Sie finden spirituelle Vielfalt wichtig, ermutigen einander, diese Vielfalt in der Pfarre zu pflegen und Angebote zu spiritueller Bildung zu nutzen; Stärkung der Glaubensgemeinschaft

Entscheidend mitgestalten – mehr als ein Drittel ist auf dem Weg, einen Arbeitsstil zu entwickeln, der erlaubt, Entscheidungen zu treffen, um Ergebnisse der Arbeit sicher zu stellen. Sie pflegen eine Umgangskultur, in dem  jedes Mitglied im PGR ist wichtig ist und diese Wichtigkeit erfahren darf – dadurch, dass jede/r beiträgt zur Lösung der Probleme, dass jede/r etwas „zu sagen hat“, auch wenn er oder sie nicht ausgebildetes theologisches Wissen besitzt.
Jugendliche Pfarrgemeinderäte betrachten es als ihr Anliegen, die Pfarre für ihre Altersgruppe attraktiv zu machen, Glaube und Kirche als auch für Jugendliche interessant zu gestalten und suchen dafür ganz ungewöhnliche neue Wege.

Vernetzungen beginnen – Immerhin fast ein Fünftel sucht Kontakt zu anderen Orten von Kirche  (Klöster, Bildungshäuser, spirituelle Gemeinschaften….) ob  einladen – besuchen – kennenlernen, ob
benachbarte Pfarren oder Einrichtungen der Diözese  - ein Austausch beginnt, gemeinsame Projekte werden überlegt, Verbündete in und außerhalb der Pfarre für eine menschliche Gestaltung des Zusammenlebens, des Lebensraumes, werden gesucht und gefunden. Die Pfarre bekommt Profil, wird Partner, bringt sich ein und ist gefragt!

Impulsfragen
Im PGR als Gremium und in den einzelnen Mitgliedern des PGR steckt großes Potential. Überlegen Sie nochmals persönlich oder im kleinen Kreis, wo meinen sie, dass sich noch großes Potential entfalten könnte – bei ihnen persönlich, in der Zusammenarbeit….Wo meinen sie, dass sie vor einem Aufbruch stehen, wo spüren sie förmlich die Notwendigkeit und wie könnte es dazu kommen? Wo erfahren sie Gott als einen Gott, der ständig ruft und herausführen will aus Enge und Lebensfeindlichkeit, aus Resignation und Verstrickung? Welche Schritte können sie in ihrem Engagement im PGR, in der Pfarre gehen, welchen Aufbruch wollen sie wagen im Vertrauen, dass Gott mit uns geht?

Oft passiert es, dass nur die Krisen gesehen werden, oder nur auf den Aufbruch gepocht wird… doch alle drei Dimensionen gehören zusammen, um dann miteinander ins Gespräch zu kommen über das Wirken Gottes, das sich auch im PGR zeigt und zeigen will. Gott ist unterwegs mit seiner Kirche durch die Zeit, ganz konkret. Sein Wirken ersetzt nicht unsere Anstrengungen, aber er kommt unserem Tun mit seiner Gnade zuvor und möchte uns einbeziehen. Er schenkt sich auch jetzt -  er trägt mich, auch wenn ich das nicht auf die gleiche Weise erfahren kann wie früher. Er trägt seine Kirche, er trägt die Pfarre, er trägt die Gemeinschaft in der Pfarre, im Pfarrgemeinderat. Doch er wartet auf meinen – auf unseren Aufbruch –  vielleicht auf die gleiche Weise, aber mit neuer Energie, vielleicht auf ganz andere Weise als bisher.
„Schreibt die Apostelgeschichte durch Euer Leben weiter“ – der Aufruf Papst Benedikts XVI in Mariazell ist immer auf’s Neue zu bedenken und soll die Arbeit des PGR inspirieren.