Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

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Vikariat Süd: KiBiWö = KinderBibelWochenende
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Samstag, 12. September 2020
Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
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Samstag, 19. September 2020
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Samstag, 19. September 2020
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PGR-Wahl 2012Gut dass es die Pfarre gibt!

Zum Motto der PGR-Wahlen und darüber hinaus

Johannes Pesl

Es ist gut 35 Jahre her, dass ein engagierter Priester einer „Teampfarre” seine Auffassung niederschrieb, warum Pfarre – konzipiert als eine verbindliche Gemeinschaft von Menschen, die an Christus Maß nehmen und ihm nachfolgend ihr Leben gestalten – zum christlichen Glauben unverzichtbar dazugehört und warum es keineswegs egal sei, ob es Pfarren (Gemeinden) gibt oder nicht. Er gab diesem Buch den programmatischen, aber vielleicht etwas befremdlichen Titel: „Befreit von Angst und Einsamkeit”.

Er betont, dass die biblisch-christliche Botschaft zuallererst eine Befreiungsbotschaft ist, in der Gott auf unzählige Weisen sich als der erweist, der Fesseln sprengt, der die Verstrickung des Menschen in Armut, in Leid- und Schuldzusammenhänge löst und zum Leben in Fülle führen will. Doch was bedeutet eine Botschaft, wenn sie nicht einen „Erfahrungsraum” hat? Jesu Reich-Gottes-Botschaft zielt nicht auf ein theoretisches Erkennen, das man dann auf mehr oder weniger mühselig-erfolgreiche Weise in das persönliche Leben integrieren könnte. Sie zielt auf eine Gemeinschaftspraxis, die diese Befreiung leibhaftig erlebbar macht. Darum meint Paul Weß in diesem Buch auch, alle Vollzüge in einer Pfarre, von der Feier des Kirchenjahres über die Sakramente bis hin zum Umgang miteinander in Gruppen und Zusammenkünften, ja die ganze Kirche beziehen ihren Sinn daraus, diese Botschaft für alle Ereignis werden zu lassen - indem man einander als Bruder und Schwester begegnet und solidarisch einander durch die Wellentäler des Lebens trägt und in den Zeiten der Freude miteinander das Leben feiert.

Wenn die Kirche von sich selbst auf dem II. Vatikanisches Konzil sich als „Zeichen und Werkzeug” der Vereinigung von Gott und Mensch (Lumen Gentium) verseht, geht es auch hier um den Zusammenhang zwischen dem verkündeten Wort und der gelebten Praxis. Überzeugend von Gott zu reden gelingt wohl nur dann, wenn das eigene Handeln dieses Zeugnis bestätigt und glaubhaft erweist. Ohne glaubwürdige Praxis kann die Kirche ihrem Auftrag der Verkündigung gar nicht nachkommen, weil zum Glauben-kommen weit mehr einschließt als nur ein Erkennen von metaphysischen Wahrheiten. Glaube als eingeübtes Vertrauen in den Gott, der nach dem Zeugnis der Bibel sein Volk aus der Versklavung in die Freiheit, aus der Knechtschaft in die Herrlichkeit führt, der die Angst überwindet und sich nach einer besseren Zukunft ausstreckt, muss wohl verkündet, aber genauso gelebt werden. Pfarren und Gemeinden sind hervorragende Orte, wo dieses „Hineingenommen-werden” in das Volk Gottes, das seinen Weg im Vertrauen auf die Verheißung Gottes geht, sich realisiert und der einzelne erfahren kann, dass Gott die Liebe ist und unser Leben in seine Hand geschrieben hat.

Mit mehr oder weniger sprechenden Bildern wurde Pfarre und Gemeinde immer wieder Thema theologischer Schriften (Kontrastgesellschaft, Intensiv- oder Basisgemeinde; …) Zunehmend wurde aber die Einheit von Pfarre und Gemeinde unter dem Begriff „Pfarrgemeinde” infrage gestellt: Pfarre galt dann mehr als eine Verwaltungseinheit, während Gemeinde als dynamischer Ort gelebten Christseins verstanden wird. Und nebenbei, fast unmerklich, hat das Sprechen über die Kirche den Rückbezug auf die Pfarre als Realisation von Kirche verloren. „Eine Kirche die nicht dient, dient zu nichts” etwa formulierte Bischof J. Gaillot in den 90ger-jahren – aber wer ist mit „Kirche” gemeint? Wo soll sich dieser Dienst ereignen? Einerseits auf bereits ganz anderen Ebenen als den Pfarren, in verschiedensten Einrichtungen der kategorialen Seelsorge, in freien Bewegungen und christlichen Gemeinschaften - andererseits aber doch auch „vor Ort”. Konsequenterweise wird als Verlust beklagt, wenn Pfarren zu sehr als geschlossene Milieus, als ein Zirkel von „Insidern” wahrgenommen werden, wo es schwer ist, Zugang zu finden … Also gilt es, Kirche an ganz neuen Orten zu suchen und zu bilden?

Das Motto der PGR–Wahlen ist also durchaus gewagt. Immerhin kann es sein, dass heutige Pfarren in Zukunft mit einer oder mehreren anderen Pfarren vereint werden Zudem ist die Frage ernstzunehmen, ob Pfarren überhaupt noch in der Lage sind, im Vollsinn Kirche zu sein und die Sendung der Kirche zu tragen. Heute betonen wir die missionarische Dimension von Kirche, die Zeugnis gibt von der Erfahrung des Glaubens, und zwar nicht nur durch einige wenige befugte Mitglieder, sondern durch jedes Mitglied des Volkes Gottes. Neue Gemeinschaften haben sich mit diesem Ziel gegründet, aber war dies nicht immer auch Ziel der Pfarrarbeit? Pfarren sind auch nach wie vor unverzichtbare Orte des Einlernens und Einübens von Jüngerschaft!

Was ist heute entscheidend, damit das Wahlmotto „Gut dass es die Pfarren gibt!” nicht eine luftleere Behauptung bleibt?

Gut, dass es die Pfarre gibt! – ein gewagtes Motto, denn die Pfarre ist im Bewusstsein vieler ja nur, wo ein Pfarrer ist. Die derzeitige Entwicklung scheint es mit sich zu bringen, dass nicht überall Pfarre im Vollsinn erhalten bleiben kann. Ist das nicht ein gravierender Einwand gegen dieses Motto?

„Gut dass die Kirche am Ort bleibt” (J. Werbick) soll es in jedem Fall, ja vielleicht eigentlich heißen, weil es diese Orte braucht, wo Menschen die Botschaft Gottes hören und erfahren können. Das ist ein großer Auftrag und eine hohe Sendung, der es auf neue Weise Gestalt zu geben gilt. Daran mitzuarbeiten und mitzugestalten ist nicht zuletzt all denen anvertraut, die als Kandidatin /Kandidat sich für die nächsten fünf Jahre als Pfarrgemeinderat zur Verfügung stellen. Provokant formuliert ruft das Motto auf, über die verlockend einfache Formel: „Wenn der Pfarrer gut ist, dann ist auch die Pfarre gut” hinauszudenken und sich im Vertrauen auf Gott, der auch mit uns als seinem Volk unterwegs ist auf neue Formen von Gemeinschaften und gemeinschaftlichem Zeugnis einzulassen.