Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Freitag, 20. September 2019
KiBiWö
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Samstag, 28. September 2019
AUSGEBUCHT Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
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Freitag, 18. Oktober 2019
Vikariat Wien-Stadt: Fachtag Liturgie
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Freitag, 18. Oktober 2019
Vikariat Süd: Lektorenkurs
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Samstag, 19. Oktober 2019
AUSGEBUCHT Vikariat Wien-Stadt: Einführungskurs in den Lektorendienst
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Aufgaben des PGR zwischen Ideal und Wirklichkeit

nach den Parametern von Apostelgeschichte 2010

Der Pfarrgemeinderat als pastorales Gremium

Aufgaben und Ziel der Arbeit im Pfarrgemeinderat

  1. Mission first - Idealerweise ist der PGR ein Kreis von Menschen, die sich gegenseitig bestärken und befähigen, missionarisch Kirche zu leben.

Sie lernen, miteinander, aber noch mehr mit Menschen die nicht zum inneren Kreis der Pfarre gehören, über Fragen des Glaubens ins Gespräch zu kommen. Sie bekennen, warum sie im Glauben an Jesus Christus feststehen. Dieses Gespräch „nach außen“ ist ihnen wichtiger als alles „Innerpfarrliche“ oder „innerkirchliche“.

Sie entdecken im Ablauf des pfarrlichen Lebens, wo die Möglichkeiten liegen „Fernstehende“ für Glaubensfragen zu interessieren und sie mit der Botschaft des Evangeliums bekannt zu machen. Sie gestalten Möglichkeiten solcher Begegnung. Sie lernen, Gottesdienste und Gruppen, Feste und Zusammenkünfte so zu gestalten, dass sie nicht als geschlossene Veranstaltungen erscheinen, sondern dass Interessierten der Zutritt möglich und leicht gemacht wird.

Sie ermutigen einander, Neues auszuprobieren um dieses Ziel zu erreichen und bauen einander auf, wenn etwas nicht klappen sollte.

Sie nützen den Pfarrer in seinen Stärken und lassen sich inspirieren von seinem sakramentalen Wirken und seinem priesterlichen Leben.

  1. Jüngerschule - Idealerweise ist der Pfarrgemeinderat ein Kreis von Menschen, die sich miteinander auf einen Glaubensweg begeben und die Zeit ihres Wirkens nutzen, um persönlich und als Glaubensgemeinschaft immer tiefer in die Lebensweise gemäß dem Evangelium hineinwachsen.

Sie versuchen, die Werte des Evangeliums in ihr Leben zu integrieren. Sie meiden Unrecht, orientieren sich an der Berufung zur Gotteskindschaft – zu einem Leben in Einfachheit, Gerechtigkeit und Liebe.

Sie setzen sich ein für ihre Mitmenschen und eine gerechte Welt – für einen geschwisterlichen Umgang in- und außerhalb der Pfarre, für alle in irgendeiner Weise Benachteiligten. Sie leben aus einer Perspektive, die über kurzfristigen Konsum, Genuss und Sattheit hinausgeht und bestärken einander, an der Vision vom Reich Gottes festzuhalten. Sie versuchen, solidarisch zu sein mit Notleidenden, Einsamen, Kranken, Verlassenen, mit allen, deren Lebenschancen unterdrückt sind.

Sie achten einander auch in verschiedenen Meinungen, meiden Aburteilungen und Unterdrückung. Sie suchen im Gegenteil wirkliches Verstehen und Achtung vor dem Anderen.

Sie suchen die Kraft für ihr Leben aus dem gemeinsamen Gebet, aus der Eucharistie und aus der geschwisterlichen Liebe. Sie organisieren Zusammenkünfte in denen gelernt werden kann, was es heißt, in Beziehung und Freundschaft zu Christus zu leben.

  1. Kooperation und Strukturentwicklung
    Idealerweise ist der Pfarrgemeinderat ein Kreis von Personen, die sich von Begegnungen mit anderen Orten von Kirche bereichern lassen, seien es Nachbarpfarren, seien es Orden, neue geistliche Gemeinschaften, seien es ökumenische Kontakte, seien es Einzelpersonen, Priester, oder Menschen, die in der Pfarre als Fremde neue Heimat suchen.

Sie hüten nicht ängstlich und eifersüchtig das Eigene, sondern suchen Möglichkeiten zu verbindenden Projekten – mit Nachbarpfarren, im Dekanat, mit dem Vikariat und der Diözese, mit nichtkirchlichen Vereinigungen, welche die Vision von einer menschlicheren und besseren Welt teilen und bringen sich aus dem Geist des Evangeliums heraus in die Gesellschaft ein.

Sie teilen solidarisch den priesterlichen Dienst und jenen der Hauptamtlichen mit dem größeren Raum, weil sie im Zusammenwirken mit anderen nicht primär einen Verlust, sondern einen Gewinn sehen. Sie überlegen ohne Angst, wie die seelsorglichen Aufgaben in einem Verband von mehreren Pfarren organisiert werden könnten.

Sie verhandeln ehrlich und offen mit Vertretern anderer Pfarren, des Dekanates, der Diözese – sie verdächtigen den anderen nicht, ihnen etwas wegnehmen zu wollen, sondern überprüfen alle Möglichkeiten und Angebote, in veränderten Strukturen ihr Gemeindeleben zu organisieren.

Sie übernehmen Verantwortung für einzelnen Aufgaben, beziehen andere darin ein – wo es erforderlich und bewältigbar ist, tragen sie einzelne seelsorgliche Vollzüge eigenständig, seien es Wortgottesfeiern, liturgische Zusammenkünfte des gemeinsamen Gebets, sei es der Dienst an Alten, Kranken und Notleidenden, sei es in der Vorbereitung der Sakramente. Für diese Dienste suchen sie die enge Zusammenarbeit mit den Priestern und Hauptamtlichen Seelsorgern, die in einem größeren Verband zu ihrer Begleitung und Unterstützung berufen sind.

Sie vertreten offen und ehrlich die Bedürfnisse des pfarrlichen Lebens. Sie betrachten die Diözese als Partner in der Lösung der seelsorglichen Aufgaben über den Rand der Pfarre hinaus. Sie sehen sich zur Vertretung der Bedürfnisse der Pfarre durch die Wahl ermächtigt. Diese Vertretungsaufgabe verstehen sie jedoch nicht als Auftrag zur Durchsetzung von Interessen, sondern als Berufung zur kooperativen, kreativen und verlässlichen Lösungsentwicklung.

Johannes Pesl, 6. 4. 2011