Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Donnerstag, 21. November 2019
„ICH sein im WIR“
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Samstag, 23. November 2019
Vikariat Wien-Stadt: Fachtag PGR
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Samstag, 18. Januar 2020
AVISO: Fachtag Liturgie im Vikariat Süd
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Freitag, 24. Januar 2020
Vikariat Süd: Lektorenkurs
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Freitag, 24. Januar 2020
Vikariat Wien-Stadt: Ausbildungskurs für Begräbnisleiter/innen
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Verkündigung

1. Auseinandersetzung mit dem Thema

1.1 Botschaft Jesu - wie hat er zum Glauben geführt?

Verkündigung ist ein Grundauftrag. Die Kirche ist beauftragt, die frohe Botschaft nicht für sich zu behalten, vielmehr haben andere das Recht, davon zu erfahren. Was ist daher die eigentliche Motivation zu verkünden? „Wir können unmöglich von dem schweigen, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Die frohe Botschaft will weitergegeben werden! Wer davon überzeugt ist, dass es Gott gibt, wer seine Liebe erfahren hat, der wünscht sich diese Erfahrung auch für andere. Der Glaube an Gott kann und darf dabei nicht aufgedrängt werden, niemand kann zum Glauben genötigt werden, Freiheit ist wesentliche Voraussetzung, Gott zwingt niemanden! Gott wirbt, und deshalb sind auch wir gefragt, in seine Werbung mit einzustimmen. Jesus hat uns durch sein eigenes Handeln gezeigt, wie wir uns dabei verhalten können: Jesus beauftragt Menschen, zu tun, was er getan hat: Mk 6,6b-13, Joh 15,1-17, u.a. Jesus holt Menschen vom Rand in die Mitte: Mk 3,1-6, Mk 9,33-37, Mk 10,13-16, u.a. Jesus war stets auf der Suche nach dem Verlorenen: Lk 15,1-32, Lk 19,41-44, u.a. Jesus sieht den ganzen Menschen (das Positive und das Scheitern) und schenkt Möglichkeiten zum Wachstum: z.B. Lk 19,1-10, Joh 4,1-42, Joh 8,1-11, u.a. Jesus fragt und fordert heraus: z.B. Mt 9,27-31, Mt 20,29-34, Lk 9,57-62, u.a. Jesus lehrt wie einer, der Vollmacht hat: Mt 5,17-19, Mt 7,28-29, Mt 23,1-12, u.a.

1.2 „Weitergabe“ des Glaubens

Dies bedeutet, Menschen zum Glauben zu führen. Sie sollen befähigt werden, Gottes Ruf zu hören und darauf zu antworten. Glaube ist daher primär ein Beziehungsgeschehen zwischen Mensch und Gott, das im gesamten Leben der/des „Betroffenen“ einwirken soll. Als Grundgegebenheit lässt sich sagen: Gottes Ruf an uns ist da, unser Leben ist Antwort. Glaube hat Antwortcharakter! Daher ist die erste grundlegende Aufgabe in der Weitergabe des Glaubens: Menschen wieder zu befähigen, Gottes Ruf zu hören und darauf zu antworten. Dies schließt ein Sichin-Bewegung-Setzen, ein Loslassen-Können mit ein.

Glaube kann kein alleiniges „für wahr halten“ von einer Sache bzw. eines Glaubensinhaltes sein. Ein Festhalten von Glaubenssätzen allein im Sinne von „Ich habe meinen Glauben“ ist ohne lebendige Beziehung zu Gott durch Gebet und Hinwendung zu ihm starr. Glaube an Gott ist ein Weg, der fordert, der durchträgt, der befreit und der manchmal auch durch Dunkelheit führen kann.

Zur Weitergabe des Glaubens braucht es daher Menschen, die selber versuchen als Hörende zu leben, erfahrene Menschen im Umgang mit Gott. Jeder und jede, der/die den Glauben weitergeben möchte, ist in seiner/ihrer Gottesbeziehung selbst gefragt!

Der Glaube an sich kann eigentlich nicht weitergegeben werden. Der Mensch hat die Fähigkeit zu glauben, er kann aber auch ablehnen. Glaube ist eine Sache von Freiheit und Gnade. Was weitergegeben werden kann, ist die Frohbotschaft durch Wort und Tat. Das Fundament ist die Offenbarung Gottes selbst, wie sie uns die Bibel und die Tradition der Kirche überliefert. Die Erfahrung von Menschen mit Gott und die daraus resultierende Reflexion gestaltet unser Glaubenswissen, das im Leben des Einzelnen je neu „geboren“ und mit dessen Erfahrungen im alltäglichen Vollzug prägend werden soll.

Christlicher Glaube ist ganzheitlich, er ist weder eine bloße Gefühlssache, noch eine rein intellektuelle Angelegenheit. Gott fordert den Menschen ganz, mit seinem Denken, Fühlen und Handeln, sozusagen „mit Herz und Hirn“. Deshalb gibt es ein Zusammenspiel von Glaubenserfahrung und Glaubensinhalten.

Es ist nicht zu übersehen, dass viele die zentralen Inhalte des Glaubens nicht mehr kennen. Das Glaubenswissen nimmt vielfach ab. Allein den Wissensstand zu vermehren, ist aber noch keine Garantie, dass der Glaube in den Menschen sich vermehrt. Möglichkeiten, sich Wissen aneignen zu können werden tatsächlich immer wichtiger, gleichzeitig sind jedoch Gläubige gefragt, die zu Vorbildern und Helfern im alltäglichen Glauben werden.

1.3 Weitergabe als spiritueller Vorgang

Weitergabe der Frohbotschaft ist ein spiritueller Vorgang, sie geschieht in der Kraft des Heiligen Geistes: "Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde." (Apg 1,8). Auch die Annahme des Glaubens geschieht in der Kraft des Heiligen Geistes: "Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet" (1 Kor 12,3b).

Es gibt eine mystische Wirklichkeit, ein geheimnisvolles „Dazwischen – Sein“ (Interesse) Gottes. Wie jemand zum Glauben findet, kann unterschiedlich sein; ob durch ein plötzliches Bekehrungserlebnis oder ein langsames Hineinwachsen. Jeder Mensch hat in seiner Einmaligkeit auch seine eigene Geschichte mit Gott. Deshalb ist es gut, wenn es verschiedene Formen der Verkündigung gibt, sodass jeder und jede zur „rechten“ Zeit eine Entscheidung für den Glauben treffen kann.

Wichtig ist, dass man vor allen Bemühungen und konkretem Planen in der Verkündigung, die Menschen Gott im Gebet anvertraut und sich der Führung des Heiligen Geistes überlässt!

Früchte in der Verkündigung zu erkennen, ist meist schwer. Oft sind sie verborgen oder werden erst viel später reif. Manchmal geht der „Same“ auch überhaupt nicht auf oder verkümmert, wie das Gleichnis vom Sämann vor Augen hält (Mk 4,1f). Selbst Jesus ist es nicht gelungen, alle zum Glauben zu führen. Das Wachstum der Früchte kann lange dauern, die Verkündigung kann durch andere ihre Fortsetzung finden: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen“ (1 Kor 3,6).

Nicht immer sind es geplante Vorgänge in der Verkündigung, die fordern, sondern plötzliche Situationen im Alltag. Sie „treffen“ sowohl den/die Einzelne/n als auch die Gemeinschaft. Verkündigung geschieht in Wort und Tat, Frage und Antwort, durch Christen jeden Alters und aller Berufe (nicht nur durch diejenigen, die in der Gemeinde ein Amt haben), beabsichtigt und „unabsichtlich“. Gott kann sowohl durch einen Universitätsprofessor als auch durch ein Kind wirken, wenn es darum geht, seine Liebe und Gegenwart zu bezeugen.

1.4 Unsere gemeinsame Sendung

Paulus hat sein Verständnis von "Kirche-Sein" in seinen Briefen unter anderem im Bild des Leibes ausgedrückt, z.B.1 Kor 12,12-31a: die Kirche als Leib Christi, er als das Haupt. Dieses Bild vom Leib vermag die Vielfalt und gleichzeitig die Einheit zu verdeutlichen. Beides war Paulus wichtig. Wir finden seine großartigen Charismenlisten (1 Kor 12; 14; Gal 5,22ff; Eph 4,7-14), wie auch seine Mahnungen zu Einheit: "... bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist." (Eph 4,3-6).

Diese Berufung in den Leib Christi und die damit verbundene Beauftragung (in je unterschiedlicher Weise) ist Tat Gottes. Eingliederung in diesen Leib Christi geschieht durch die Taufe. Sie ist damit das Grunddatum unserer gemeinsamen Sendung. Unser Sendungsauftrag als Christinnen und Christen leitet sich also nicht primär von einer Beauftragung durch den Bischof oder Pfarrer ab, sondern gehört zum Wesen dessen, was wir sind: Getaufte, mit dem Geiste Gottes ausgestattet zum Aufbau des Leibes Christi, der die Kirche ist.

Auch das Vat. II spricht dies klar im Laiendekret, Kapitel 1, Punkt 3 an: "Pflicht und Recht zum Apostolat haben die Laien kraft ihrer Vereinigung mit Christus, dem Haupt. Denn durch die Taufe dem mystischen Leib Christi eingegliedert und durch die Firmung mit der Kraft des Heiligen Geistes gestärkt, werden sie vom Herrn selbst mit dem Apostolat betraut. Sie werden zu einer königlichen Priesterschaft und zu einem heiligen Volk (vgl 1 Petr 2,4-10) geweiht, damit sie durch alle ihre Werke geistliche Opfergaben darbringen und überall auf Erden Zeugnis für Christus ablegen. ... Allen Christen ist also die ehrenvolle Last auferlegt, mitzuwirken, dass die göttliche Heilsbotschaft überall auf Erden von allen Menschen angenommen wird." (Dekret über das Apostolat der Laien 1,3) Frauen und Männer haben also Recht und Pflicht zum Apostolat durch ihre Vereinigung mit Christus. Aufgabe ist es, mitzuwirken, dass die göttliche Heilsbotschaft von allen Menschen angenommen wird.

Christen leisten sich diesen Dienst gegenseitig und unterstützen sich in der Weitergabe des christlichen Glaubens an andere. Jeder kann das auf seine Weise versuchen und dabei von anderen lernen. Wissen um Glaubensinhalte und Glaubenserfahrung sind dabei hilfreich. Niemand ist dazu unbegabt. Wer von seinem Glauben anderen etwas mitteilt, hat selbst etwas davon und macht Fortschritte darin.

1.5 Sendung – die Botschaft weiterleben und weitersagen

Christlicher Glaube wird nicht nur dann bezeugt, wenn ausdrücklich davon die Rede ist, wenn von Jesus, Gott, usw. gesprochen wird. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Sendung des Christen darin besteht, in Wort und Tat, d. h. mit dem gesamten Leben, Zeugnis zu geben.

Manche halten „das Sprechen“ für zu aufdringlich, andere wieder „das Ablesen“ eines christlichen Lebens als Zeugnis für zu wenig. Empfinden die einen manches als zu offensiv, erleben die anderen deren Christsein als eine womöglich „laue Angelegenheit“. Wird zu sehr die Wortverkündigung betont, kommt oft das Lebenszeugnis zu kurz und dort, wo man sich zu sehr auf das gelebte Christentum beruft, wird häufig das Glaubensgespräch und das gesprochene Glaubenszeugnis vernachlässigt.

Über den Glauben zu sprechen, besonders auch über die eigenen Gotteserfahrungen will allerdings gelernt und eingeübt sein! Unsicherheit aufgrund von Ängsten, zu wenig über den Glauben informiert zu sein, und die Sorge, mit einem Glaubensgespräch zu „missionarisch“ (im Sinne von aufdringlich) zu sein, hindert viele Gläubige. Hier ist eine Ermutigung und Befähigung gefragt!

Verkündigung durch Wort und Tat ist also eine Einheit! Wer von der Nächstenliebe spricht, muss sie auch selber einüben; wer die Barmherzigkeit Gottes bezeugt, wird selbst versuchen, in sie hineinzuwachsen.

Die Tat gibt schneller Zeugnis als das Wort. Jedes Tun ist immer zugleich auch Zeugnis von dem, was mich bewegt. Es bezeugt den Hintergrund, aus dem heraus es geschieht. Etwas zu tun oder nicht zu tun, kann eindrücklicher etwas über den Glauben aussagen, als das verbale Thematisieren einer Sache. „Wer das Wort Jesu besitzt, kann wirklich auch seine Stille hören. Er wird vollkommen sein und durch sein Tun sprechen und an seinem Schweigen erkannt werden.“ (Ignatius von Antiochien, Brief an die Epheser, 19)

Kirche muss zu ihrer Eigentlichkeit als Glaubens-und Zeugnisgemeinschaft immer neu finden durch das Leben und Handeln ihrer Glieder in der Nachfolge Chiristi. Unablässig müssen Außenstehende veranlasst werden, zu fragen nach dem Grund der Hoffnung, der die Glaubenden trägt: „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig;“ 1 Petr 3,15f. Nur so kann der „Brief Christi“, der die Kirche ist: „Unser Empfehlungsschreiben seid ihr; es ist eingeschrieben in unser Herz, und alle Menschen können es lesen und verstehen,““ (2 Kor 3,2f), seine eigentlichen Adressaten erreichen.

Folgende Bibelstellen aus den Evangelien zeigen exemplarisch die Notwendigkeit der Einheit von Lebenszeugnis und Wortverkündigung auf:

„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus. So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,13-16)

„Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! … Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.“ (Mk 16,15; 20)

1.6 Unterschiedliche Begriffe

Was haben Mission, Apostolat und Verkündigung gemeinsam? Meint Evangelisierung dasselbe? Oft werden unterschiedliche Begriffe verwendet mit dem einen oder anderen Schwerpunkt. Sie gehören aber alle in den Bereich der Verkündigung.

Martyria (griech. µαρτύρια -Zeugnis)

Martyria hört man meist in Zusammenhang mit den vier Grunddiensten der Kirche: Martyria – Leiturgia – Diakonia – Koinonia (Verkündigung – Liturgie – Diakonie – Gemeinschaft).

Mission (lat. missio -Sendung)

Lange Zeit wurde dieser Begriff ausschließlich für die Mission in Übersee verwendet. In Europa verwendete man das Wort Volksmission. Volksmissionen dienten vor allem der Stärkung der Gläubigen. Bekannt sind an bzw. in vielen Kirchen die Volksmissions-Kreuze. In den christlichen Kirchen erlebt „Mission“ eine Neubelebung. Sowohl katholische, als auch evangelische Kirchen besinnen sich unter dem Begriff „Mission“ wieder verstärkt auf den Sendungsauftrag.

(Neu)-Evangelisation (griech. ευαγγελιξω -verkündigen)

Mit diesem Begriff verbindet man hauptsächlich die auf entschiedenen Glauben hinzielende Wortverkündigung des Evangeliums. Neuevangelisation geht meistens von der Tatsache aus, dass die Gesellschaft zwar schon christlich sozialisiert ist, aber der/die Einzelne noch nicht zu einer persönlichen Glaubensentscheidung gefunden hat.

Apostolat (griech. απόστολος – Gesandter)

„Die ganze Kirche ist apostolisch in dem Sinn, dass sie durch die Nachfolger des hl. Petrus und der Apostel in Lebens-und Glaubensgemeinschaft mit ihrem Ursprung bleibt. Die ganze Kirche ist apostolisch auch in dem Sinn, dass sie in die ganze Welt ‚gesandt’ ist. Alle Glieder der Kirche haben, wenn auch auf verschiedene Weise, an dieser Sendung teil. ‚Die christliche Berufung ist ihrer Natur nach auch Berufung zum ‚Apostolat“. Als ‚Apostolat’ bezeichnet man ‚jede Tätigkeit des mystischen Leibes’, die darauf gerichtet ist, ‚die gesamte Welt … auf Christus hinzuordnen’“ (vgl. Katechismus der Kath. Kirche, Nr. 863).

2. Verkündigung konkret

2.1 Verkündigung im Kontext der kirchlichen Grunddienste

Die Grunddienste beinhalten die wichtigsten Funktionen von „Kirche – sein“. Sie sind wie verschiedene Seiten auf einem Instrument. Wenn sie nicht zusammenklingen, sondern eine Disharmonie bilden, wird die Botschaft nicht sehr hörenswert sein. Die Grunddienste sind eine Zusammenfassung der Sendung Jesu, die wir als Kirche fortsetzen sollen und können: Jesus bezeugt mit seinem gesamten Leben und mit seinem Tod die Größe der Liebe Gottes. Er beruft Apostel, Jüngerinnen und Jünger, ihm nachzufolgen, am Reich Gottes mitzubauen und seine Sendung fortzuführen.

Martyria – Verkündigung: Jesus spricht in Worten und Zeichen vom Reich Gottes Diakonia – Diakonie: Jesus heilt, befreit, führt aus Not heraus Leiturgia – Liturgie: Jesus feiert, betet, dankt, bittet Koinonia – Gemeinschaft: Jesus eint, führt zusammen, versöhnt

Deshalb ist immer wieder eine Zusammenarbeit mit den anderen Arbeitskreisen anzuraten. Die Grunddienste sind wie ein roter Faden, der alle Bereiche einer Pfarre durchziehen sollte. .

2.2 Verkündigung und Sprache

Es ist eine Herausforderung, das Zeugnis des christlichen Glaubens so auszurichten, dass es auch verstanden und angenommen werden kann. Das bezieht sich nicht nur auf die Sprache im Wortsinn, sondern geht darüber hinaus. Es braucht Orte, Räume, Menschen, usw., an denen der Glaube ablesbar ist.

Eine Aufgabe in der Verkündigung ist es, alte und unverständlich gewordene Worte neu zu erschließen und sie so den Menschen unserer Zeit zugänglich zu machen. Manchmal wird das bloße Erklären von Begriffen nicht ausreichen und eine neue Sprache muss gefunden werden. Worte „von gestern“ sollen zur Betroffenheit „von heute“ werden.

2.3 Mögliche Schwerpunktthemen heutiger Verkündigung

Der erste Grundansatz in der Verkündigung überhaupt ist die Botschaft bzw. das Zeugnis der Existenz Gottes. Vielen fällt es schwer, an Gott zu glauben, andere glauben zwar an seine Existenz, sind aber durch unterschiedliche Gottesbilder geprägt. Im Dialog stellen sich die Fragen: Wer bzw. wie ist Gott? Wer ist Jesus Christus? Was ist seine Botschaft? Auf die Frage, was eigentlich das höchste Ziel für den Glaubenden/die Glaubende sei, gibt bereits Jesus eine Antwort: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das

wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22,37-39)

Weiter Grundbegriffe der Verkündigung sind die Heilige Schrift und das Glaubensbekenntnis. Die Bibel ist das Fundament unseres Glaubens. Das Glaubensbekenntnis versucht das „Wesentliche“ der Offenbarung bekennend zu buchstabieren.

Verkündigung ist daher mehr als Information über religiöse Sachverhalte. Sie ist der Versuch einer Antwort auf die Frage nach Sinn und Ziel des menschlichen Lebens. Daraus resultiert eine Lebensausrichtung, die täglich neu eine Entscheidung verlangt. Es geht daher vorrangig nicht um irgendwelche beliebige Fragen über Religion und Kirche, die mehr oder weniger interessant sind, mit denen man mehr oder weniger gebildet ist, sondern es geht zunächst um eine Antwortfindung auf die Grundfragen der Menschen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn des Lebens? Was ist heilsam, heilbringend im Leben?

Es stellt sich für Verkünderinnen und Verkünder die Frage: Welche Themen können in der Gegenwart von besonderer Bedeutung sein? Welche Fragen stellen sich die Menschen von heute? Was sind Hauptthemen? Welche christlichen Inhalte werden nicht mehr verstanden und brauchen einen Neuzugang?

Im Blick auf das, was die Menschheit bewegt, nennt u. a. der Existenzpsychologe Viktor Frankl drei zentrale Themen: Leid, Tod und Schuld. Wie finde ich den inneren Frieden? Wie kann geglücktes Leben aussehen? Wo und wie finde ich Liebe, Gerechtigkeit, Heimat, Freude, Freiheit? Das sind Themen, die dem Christentum nicht fremd sind. Im Gegenteil: Aus der frohen Botschaft Jesu haben wir die Zusage, dass sie in Gott durchdrungen sind von Hoffnung und Verwandlung!

Das Gespräch über das Verständnis der Auferstehung und eine neue Jenseitsvorstellung (im Gegensatz zu früheren Jenseitsvertröstungen) ist heute gefragt! Wenn das Leben ein Ziel hat und wenn es daher nach dem Tod nicht vorbei ist, ist es nicht egal, wie das Leben aussieht, dann muss das ganze Leben vom „Ende her“ gesehen werden. Das Reich Gottes, seine Liebe, will auf Erden sichtbar gemacht werden und „im Himmel“ für jede/n seine Fortsetzung finden.

Der Begriff Sünde erlebt (allein schon durch Medien) eine Verzerrung und Einengung. Ob ein neuer Zugang dazu im Dialog gefunden werden kann, ist fraglich, bleibt aber zu wünschen. Schuld und deren Folgen wird aber wahrgenommen. Die Loslösung aus dem „Schuldnetz“ scheint für viele unmöglich und belastend. Die christliche Botschaft ist heilsam: Es gibt eine Lösung aus Bindungen und Verstrickungen des menschlichen Scheiterns und auch eine Er-lösung durch Gott, dort wo der Mensch sich selbst und den anderen nicht befreien kann. Vergebung ist heilsam und macht Sinn.

In einer Zeit, in der viele in der Gesellschaft gnadenlose Härte vorfinden, bedarf es Gemeinschaften, welche die Barmherzigkeit Gottes bezeugen und in ihrem Miteinander widerspiegeln.

„Verkündigung erfolgt auch überall dort, wo überzeugend (vor)gelebt wird, dass es sich lohnt, selbstlos zu sein und zu lieben, dass der wahre Verzicht nicht nimmt, sondern gibt, dass inmitten unbarmherziger Interessenskämpfer Friedensstifter Zeichen und Hoffnung setzten, ...“ (Karl Kardinal Lehmann).

2.4 Formen und Aufgaben der Verkündigung - Sitzungsthemen

Verkündigung ist Thema und Aufgabe der gesamten Pastoral und kann daher nicht isoliert gesehen werden. Sie ist eine Anfrage an viele Bereiche und erfordert daher einen weiten Blick auf das, was in der Pfarrgemeinde gelebt wird.

Folgende Fragen sind als Hilfe und zur Bearbeitung bei Sitzungen gedacht:

Verkündigung und Liturgie

Vielfach wird zuerst an die Predigt im Gottesdienst gedacht. Aber das ist nur eine von vielen Formen der Verkündigung. Auch Lieder, Bekenntnisse, Gebete und andere Teile des Gottesdienstes sind Elemente der Verkündigung.

Verkündigung und Koinonia (Gemeindepastoral)

Verkündigung und Diakonie (Caritas, Mission und Weltkirche)

Vermittlung von Glaubensinhalten und Ermöglichung von Glaubenserfahrung

(Pfarrliche Bibelarbeit, Bereich Erwachsenenbildung)

Verkünderinnen und Verkünder

Verkündigung und Sprache

Verkündigungsformen und Zielgruppen

(pfarrliche Kinderarbeit, Jugendarbeit, Ehe und Familie, geistliche und kirchliche Berufe, Sorge um die Senioren)

Verkündigung und Sakramentenpastoral

3. Hilfen

Literatur, Buchempfehlungen, Hinweise auf interessante Internetseiten und Behelfe, Texte, Modelle, Veranstaltungstipps, Weiterbildungsangebote, usw. sind zu finden auf der Serviceseite des Referats Verkündigung: www.pastoralamt.at/ueber_uns/grunddienste/

Auf der Serviceseite kann auch ein Newsletter bestellt werden. (Unter „Referat Verkündigung“: Seiten des Referates) oder im Referat Verkündigung (bitte um Voranmeldung!)

4. Adressen und Kontaktpersonen

Pastoralamt

Stephansplatz 1/5/555, 1010 Wien
http://www.pastoralamt.at

Bereich Förderung Geistlichen Lebens

Mag. Beate Mayerhofer-Schöpf
Tel.: (01)515 52-3371
E-Mail: b.mayerhofer-schoepf@edw.or.at

Vikariate

Vikariat Unter dem Mannhartsberg:
Leiterin des FA Verkündigung:
FI RObl Christine Edlinger
Tel.: (01) 515 52-3758
E-Mail: c.edlinger@edw.or.at

Vikariat Unter dem Wienerwald:
Leiter des FA Verkündigung:
Mag. Gernot Braunstorfer
Tel.: 0676/542 77 43
E-Mail: direktion@sachsenbrunn.at
Web: Fachausschuss Verkündigung

Gemeinschaft Emmanuel

http://www.emmanuel.at/

Weitere Adressen (Bildungshäuser, Theologische Kurse, Katholische Aktion, Kategoriale Seelsorge, usw.) der Erzdiözese sind unter http://www.erzdioezese-wien.at zu finden.

5. Sakramentenpastoral

1. Begriffsklärung

Sakramentenpastoral meint die Frage nach der Art und Weise, wie den Menschen in der jeweiligen Pfarre der Empfang der Sakramente ermöglicht und angeboten wird. Dazu gehören die Fragen der Vorbereitung auf den Empfang der Sakramente, die Art und Weise der Durchführung und die Frage, ob es eine nachgehende Begleitung derer gibt, die ein Sakrament empfangen haben. Primär verantwortlich für die Sakramentenpastoral sind der Pfarrer und die hauptamtlichen Seelsorger. Als „Pastoral“ sind diese Prozesse deshalb zu verstehen, weil der Empfang eines Sakramentes nicht nur eine sehr wesentliche Begegnung der Menschen mit der Pfarre ermöglicht, sondern weil sich in jedem Sakrament Kirche ganz wesentlich realisiert. Diejenigen, die ein Sakrament empfangen oder um den Empfang eines Sakramentes bitten, verwirklichen ihr allgemeines Priestertum, indem sie real zum Ausdruck bringen, mit dem Amtsträger gemeinsam an der Heiligung der Welt mitzuwirken.

2. Aufgabe des Fachausschusses

In den wenigsten Fällen wird die Sakramentenvorbereitung durch Pfarrgemeinderäte wahrgenommen (wo dies jedoch der Fall ist FirmgruppenbegleiterInnen, Tischmütter/-väter ... ist es natürlich begrüßenswert). Für den PGR ist es eine wesentliche Aufgabe, aufmerksam zu sein, wie von den Menschen die Feier eines Sakramentes in der Pfarre erlebt wird. Der PGR hat zu überlegen:

Wir empfehlen am Beginn der Ausschussarbeit eine kurze Bestandsaufnahme zu machen, wie die Sakramentenpastoral in der Pfarre verankert ist.

3. Regelmäßige Sitzungsthemen

Viele dieser angesprochenen Fragen betreffen die `RoutineA der Sakramentenpastoral. Wenigstens einmal im Jahr sollte sich das Plenum des PGR mit diesem Thema beschäftigen.

Wichtig zu besprechen sind:

Der Ausschuss bereitet diese Punkte für das PGR-Plenum vor und sorgt für deren Umsetzung.

4. Hilfen

5. Möglichkeiten überpfarrlicher Zusammenarbeit

Zwar gilt der Grundsatz, dass die Sakramentenpastoral möglichst in der Pfarre angesiedelt bleiben soll. Dennoch können Elemente daraus auch in Zusammenarbeit von mehreren Pfarren oder in einem Dekanat übergreifend erfolgen, wenn dies sinnvoll erscheint oder auf Grund knapper Personalressourcen notwendig erscheint: Tauf-und Firmvorbereitung für Erwachsene _ Ausbildung und Vorbereitung von Tischmüttern im Hinblick auf ihre didaktischen Aufgaben in den Erstkommuniongruppen _ Firmhelferausbildung (gemeinsame Stundenvorbereitungen, Themenerarbeitung...) _ Taufelterntreffen _ Eheseminar _ Familienwochen, Familientreffen

Diese Vorschläge sollen weder die pfarrliche Arbeit ersetzen noch dürfen über den Kopf derer, die in diesen Bereichen Verantwortung haben, durchgeführt werden. Der Pfarrgemeinderat hat die Möglichkeit, Anregungen zu geben und damit eine verstärkte Zusammenarbeit mit umliegenden Pfarren zu fördern.