Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

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Freitag, 20. September 2019
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Koinonia - Gemeindeentwicklung

1. Begriffsklärung

Die Pfarrgemeinderatsordnung nennt unter den seelsorglichen Bereichen, für die der Pfarrer besondere Verantwortung trägt, “die Einheit der Gemeinde sowie die Einheit mit dem Bischof und mit der Weltkirche” (PGO II.3). “Communio” als vierter Grundauftrag neben Verkündigung, Liturgie und Caritas spricht die Dimension der Gemeinschaft an. Die Einheit ist dabei eine wesentliche Dimension. Gemeinschaft bedeutet nach dem christlichen Gottesbild aber wesentlich Einheit in Vielfalt -ein Gott in drei Personen!

Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt, Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit. (Lumen Gentium 1)

Der Dienst an der Gemeinschaft kann damit in zwei Perspektiven betrachtet werden:

  1. Die Gemeinschaft mit Gott: Eine christliche Gemeinschaft muss viele Wurzeln im Nährboden der Heiligen Schrift und des gelebten Glaubens der Christen haben.
  2. Die Gemeinschaft unter den Menschen: Gemeinschaft braucht neben gemeinsamen Überzeugungen -einem gemeinsamen Glauben -auch einen gewissen organisatorischen Rahmen und ein gemeinsames Er-und Durchleben. Wenn diesen beiden Perspektiven ausgewogen wahrgenommen werden, dann kann eine lebendige Gemeinschaft entstehen. Gemeindepastoral heißt dann, auf diese Ausgewogenheit zu achten. Ein Satz von Bertold Brecht aus den Geschichten vom Herrn Keuner sei hier als ein Leitwort des Gemeindeaufbaus genannt: „In der Stadt B war ich lieber als in der Stadt A. In der Stadt A lud man mich zu Tisch. In der Stadt B bat man mich in die Küche“.

Gemeindeaufbau bedeutet zuallererst, einen Platz in der „Küche” – d.h. eine Möglichkeit der Beteiligung, des Mittragens und der Mitverantwortung anzubieten und weniger, Menschen mit Angeboten, Produkten, mit etwas bereits „Fertigem“ zu bedienen. Auch wenn dies in der Praxis als äußerst schwierig erscheinen mag und in vielen Pfarren die Erfahrung das Gegenteil nahelegt (weil es sehr schwer zu sein scheint, Menschen zur Mitarbeit zu gewinnen) – Gemeinde wird nicht allein durch tolle moderne „Angebote“ wachsen, sondern dadurch, dass Menschen sich ihr anschließen – konkret in einer dauerhaften Gruppe oder in einem Projekt, für das die Pfarre steht und sich so mit dem Anliegen, Kirche Jesu Christi zu sein, identifizieren.

1.1 Ein konkretes Modell

Neuere Christliche Gemeinschaften zeigen gemeinsame Merkmale, die für die Frage des Gemeindeaufbaus von Bedeutung sind. Dort, wo wenig Institution und Geschichte vorhanden ist, kommt noch deutlicher zum Ausdruck, wovon es abhängt und wie es gelingen kann, dass sich Menschen dieser Gemeinschaft anschließen, sodass sie wächst und sich entfaltet. Alle Bereiche des pfarrlichen Lebens könnten durch den Fachausschuss auf die folgenden Prinzipien hin betrachtet werden, inwieweit diese in den einzelnen Aktivitäten der Pfarre ihre Verwirklichung finden. Umgekehrt wäre es auch eine laufende Aufgabe, die verschiedenen Abläufe und das Leben der einzelnen Gruppen auf diese Grundthemen hin anzusprechen und deren Orientierung daran zu fördern (etwa in einem Leitbildprozess o.ä.)

1. Ansprechbarkeit – Offenheit

Ansprechbarkeit und Offenheit – den und die, der draußen steht hereinzubitten in den eigenen Lebensbereich.…aufzunehmen wie eine Schwester oder einen Bruder, an seinem Geschick zu partizipieren und wirklich präsent zu sein. Es ist ein Vorgang, von dem beide profitieren sollen, wie das folgende Beispiel zeigt:

„Gib dich aber nicht zufrieden, von uns zu profitieren, die wir hier in der Abtei(Pfarre)

N.N. zusammen sind. Lass uns profitieren von dem, was du lebst, was du weißt und was du hoffst. Schenke uns die Gemeinschaft mit dir als Gegengabe für dein Zusammensein mit uns. Dass unser Zusammentreffen an diesem Ort dazu führt, miteinander zu sprechen und miteinander zu teilen – das wünschen wir und nichts anderes. Die Abtei von… wird das sein, was wir hier gemeinsam tun.“ (Begrüßungstext des Klosters St. Maur an der Loire an seine Gäste)

Das Prinzip Ansprechbarkeit bildet einen Gegenpol zum zweckrationalen und funktionalen Lebensrhytmus der modernen Gesellschaft. Angesichts der Anonymität, in der jedes Leben zu ersticken droht, sollen Gemeinschaften (Pfarren) Empfangsräume Gottes in der Welt sein. Im Zentrum steht daher die Bitte: „Fremder, sag uns dein Geheimnis“.

„Lassen wir uns, die wir uns schon so an unsere Kirchen gewöhnt haben, stören von diesen Neuankömmlingen und erlernen wir durch sie neu den Geschmack und die revolutionäre Lebenskraft des Evangeliums. Sie sind Christus, der an unsere Türen klopft. Nicht nur an die Tür einer spezialisierten pfarrlichen Dienstleistung, sondern an die eines jeden einzelnen von uns Christen.“

Eine Dynamik des Provisorischen ist damit angesagt: sie verbietet es, sich in einer verbürgerlichten Kirchlichkeit zu etablieren. Das Neue Volk Gottes hat als eine Gemeinschaft von Pilgern, die im Namen der Verheißung Jesu unterwegs sind, ständig ein (kulturelles, gesellschaftliches, religiöses) Neuland vor sich, in das es aufbrechen muss.

2. Teilgeben - Teilhaben

Der Begriff „Teilen“ in einer Gemeinschaft meint weit mehr als Geld teilen, Almosen geben, sondern eher: Aufnahme einer „Weggefährtenschaft“.

Es geht darum, ein Ort von neuen sozialen Beziehungen zu sein, an dem es nicht primär um den Austausch von Leistungen, um Konsum und Sicherung des Besitzes geht, sondern um die Authentizität des geteilten Lebens, um die Würde des Menschen und seiner Identität und um den Geschenkcharakter der Begegnungen.

„Teilhaben – Teilgeben“ ist keine harmlose Kategorie, sondern sie hat eine gesellschaftskritische Brisanz: Aus einer individualistisch geprägten Überfluss-und Wegwerfgesellschaft muss eine Gesellschaft des Teilens, eine solidarische Gesellschaft werden. Dabei gilt es, dem gemeinschaftlichen Leben die Kraft des Exemplarischen zuzutrauen und auf die Wirkung einer prophetischer Existenz, die die Möglichkeiten einer veränderten sozialen Praxis selber prototypisch realisiert, zu vertrauen.

„Allein das Brot, das wir geteilt haben, kann uns satt machen; Allein der Arme, den wir unterstützt haben, kann uns wieder ermutigen; Allein der Fremde, den wir aufgenommen haben, kann uns empfangen; Allein der Gefangene, den wir besucht haben, kann uns befreien; Allein der Kranke, den wir gepflegt haben, kann uns heilen.

Denn nur durch die Erfahrung von lebendiger Gemeinschaft erfährt der Einzelne, dass er durch das, was er von sich hergibt, sich nicht entfremdet wird, dass durch Teilen Bereicherung und nicht Armut entsteht, dass durch den Verzicht auf die Durchsetzung der eigenen Machtposition neue Beziehungen wachsen und dass durch die Anteilnahme an fremder Not die eigene Lebenskraft nicht verloren geht, sondern zunimmt.

Die Utopie der Seligpreisungen beim Wort genommen….der gemeinsam erworbene Glaube ermutigt, an den Krisen anderer zu partizipieren, sie zuzulassen und ihnen kreativ zu begegnen.

Daraus entstehen Anfragen an unsere Praxis:

-wie weit hat das alles Platz in den Aktivitäten und Gruppen der Pfarre, wieweit ist es überhaupt ein Ziel?

3. Feiern

Das Fest ist eine der dichtesten Erfahrungen gemeinschaftlichen Tuns von außerordentlich kommunikativem Charakter, denn was man da können muss, kann man niemals für sich allein. Es wird nicht für andere, für Konsumenten organisiert, sondern ist immer Ausdruck und Vollzug der gemeinschaftlichen Existenz. Wie Israel sich des Exodus erinnert und das neue Jerusalem erwartet, setzt auch ein Fest die gemeinsame Erinnerung und kollektive Hoffnung voraus. Diese beiden Pole sind ständig präsent, insofern die Pfarre ihren Weg als ein heilsgeschichtliches Unternehmen begreift, das von Gott gewollt und begleitet wird.

Die Gemeinschaft braucht Höhepunkte festlicher Begehung, damit die Erfahrung der Zusammengehörigkeit neu lebendig werden kann. Fest heißt: wir sind dankbar für das Geschenk des Lebens. Wo Gemeinschaft gelebt wird, entsteht eine Sphäre der Freiheit, der Geschwisterlichkeit und der Sicherheit der Liebe, in der jeder es wagen kann, sich selbst zu riskieren, transparent zu sein für andere, ohne Angst, etwas von sich herzugeben. Das Fest ist Angeld des endzeitlichen Festes, zu dem alle eingeladen sind (Ostern) Fest ist Gegenwart des Zieles: Ein Stück Welt auf ein besseres Leben hin zu verändern. Mit dem Fest in Verbindung ist darum immer auch das Gebet, das beide Dimensionen umschließt: den Dank an Gott für das Gelingen des Lebens und der Gemeinschaft und die Bitte um Heilung und Erfüllung des noch Ausstehenden, Gebrochenen.

Anfragen an die Praxis: Haben sich unsere Pfarren im Lauf der Zeit nicht zu sehr daran gewöhnt, Feste immer „für andere“ (oder zur Budgetaufbesserung) zu machen? Trauen wir uns noch, Feste wirklich für uns zu halten? Davon zu unterscheiden sind Feste, die sich an Menschen richten, die nicht schon „in der Pfarre sind“ -neue Wege für einsolches Fest zu finden ist außerordentlich schwer, weil immer Gewohntes durchschlägt. Aber nur das Neue vermag auch Zugänge zu schaffen für die Menschen, die nicht immer schon dabei waren.

4. Zeugnis geben

Die Gefahr aller christlichen Vergemeinschaftungen besteht darin, dass sie sich auf die Privatheit ihres Binnenraumes beschränken. Die Lebensgemeinschaften sind deshalb überzeugt, dass sie nur dann eine Zukunft haben, wenn sie sich nicht in sich selbst erschöpfen, sondern ein Ziel haben, das über sie hinausgreift. „Zeuge sein heißt nicht Propaganda treiben, ja nicht einmal verblüffen, sondern ein Mysterium bilden. Es heißt so leben, dass das Leben unverständlich wäre, wenn es keinen Gott gäbe.“

In der heutigen Gesellschaft, in der der Mangel an persönlichen Erfahrungen und Glaubwürdigkeit immer größer wird, ist der Glaubenszeuge gefragt, der persönlich und glaubwürdig mitteilen kann, was ihm der Glaube für sein Leben bedeutet. Es fragt sich daher, wie weit das persönliche Leben mit seinen Brüchen und Widersprüchen in der Verkündigung Platz hat; Gehen wir nicht zu sehr von einem konformen Leben aus, wo „kirchlich“ alles stimmt? Viele Menschen kommen deshalb nicht auf die Idee, sich „in die Küche“ der Pfarre eingeladen zu fühlen, weil sie um die Brüche in ihrer Lebensgeschichte sehr ehrlich Bescheid wissen und meinen, sie hätten deshalb für die kirchliche Verkündigung nichts beizutragen. Vielfach wird die Aufgabe des Zeugnisses, „der missionarischen Kirche“ einfach an den Amtsträger oder an „Hauptamtliche“ adressiert. Doch das Zeugnis, das die Kirche in der Welt von heute zu geben hat, muss von allen mitgetragen werden: „Einfach zu leben“ bedeutet neue zwischenmenschliche Beziehungen zu ermöglichen. Als jemand, der mit den eigenen Begrenzungen umzugehen lernt die Anderen in ihren Begrenzungen akzeptieren und annehmen – darin wird das Leben der Pfarre und in der Pfarre zeugnishaft für einen neuen Lebensstil.

Anfragen an unsere Praxis:

Diese „Prinzipien“ christlicher Gemeinschaften können als Leitfaden für die Arbeit im Fachausschuss „Koinonia – Gemeindeaufbau“ nutzbar sein. Zusammenfassend seien nochmals einige Grundsätze der Gemeindeentwicklung benannt.

Gemeindeaufbau und Communio sind jene Dimensionen der Kirche, die jede Getaufte und jeden Gefirmten anspricht. Gemeindeentwicklung hat ihren Motor darin, dass jeder Einzelne sich seiner „Berufung“ durch Taufe und Firmung bewusst wird und dieser Berufung folgt. Der Glaube jedes einzelnen bleibt nicht einfach „privat“, sondern drängt in eine Gemeinschaft, innerhalb derer er sich entfalten und Gestalt gewinnen kann.

Im Verfolgen dieser Berufung erwächst ein Gespür für das, was jeder persönlich realisieren kann und worin er innerhalb der Gemeinschaft gefordert ist. Oft geht es einfach darum, den entsprechenden Raum für die verschiedenen Charismen zur Verfügung zu stellen.

Das Fortschreiten in der jeweils eigenen Berufung führt aber auch an die eigenen Grenzen und konfrontiert mit den Unzulänglichkeiten der Gemeinschaft. Der Austausch dieser „Berufungsgeschichten“ erzeugt einen „utopischen Rest“ des Nicht-realisierten, des Bedürftigen, eines gemeinsamen „Erhoffens und Ersehnens“ Dieser ist die Spur des gemeinsamen Betens, der persönlichen Meditation und des gemeindlichen Bittens – so wie das Gelingende die Spur des gemeinsamen Feierns und Dankens ist. Daher gilt es immer auf’s neue, Ausdrucksformen dafür zu finden, wonach die Gemeinschaft sich sehnt, was sie erhofft, ebenso wie für das, was sie lebt und was gelingt, -denn dies ermöglicht anderen, sich mit ihrer je eigenen Berufung einzubringen und der gemeindlichen Sendung anzuschließen.

2. Aufgabe eines Fachausschusses

Die Pfarrgemeinde als Lebensraum nach dem Evangelium zu gestalten, dass die Gemeinschaft und Einheit der Menschen untereinander und mit Gott wachsen kann.

Das ist natürlich auch die Aufgabe des ganzen Pfarrgemeinderates. Es kann trotzdem hilfreich sein, dafür jemand oder einen Fachausschuss eigens zu beauftragen, der das Pfarrleben besonders daraufhin beobachtet, ob es diesem Ziel näherkommt, und die Sehnsucht nach Veränderung auf diese Ziel hin wachhält.

Ein Fachausschuss “Koinonia -Gemeindeaufbau” wird

3. Regelmäßige Sitzungsthemen

4. Hilfen

4.1 Referat für Communio

Gemeindeberatung und PGR im Pastoralamt
Leitung: Mag. Johannes Pesl

4.2 Literatur

Schneider/ Weber/ Marketz (Hg.), Das Leben entfalten, Tyrolia