Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Freitag, 20. September 2019
KiBiWö = KinderBibelWochenende
- mehr …
Dienstag, 24. September 2019
„Mission“ übersetzt: „Dahinter sehen!“
- mehr …
Samstag, 28. September 2019
Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
- mehr …
Dienstag, 1. Oktober 2019
Der PGR – wo Seelsorge an erster Stelle steht?
- mehr …
Mittwoch, 2. Oktober 2019
Der PGR – wo Seelsorge an erster Stelle steht?
- mehr …

Dialog mit den Weltreligionen

1. Grundsätzliches

War die Begegnung mit Angehörigen fremder Religionen bis vor wenigen Jahren noch ein
Privileg der Fernreisenden, so gehört sie heute bereits in vielen Pfarren zu jenen Ereignissen
des Alltags, die zutiefst ambivalent empfunden werden: einerseits als interessante
Bereicherung, andererseits als die eigene Identität in Frage stellende Herausforderung. In
bewußter Absetzung von jenen theologischen Konzepten, die sich für andere Religionen
allein unter dem Aspekt der Missionierbarkeit interessieren, sieht die Kirche heute sehr
deutlich die Notwendigkeit einer Begegnung im Geiste des Dialoges und der Partnerschaft.
Ein wesentlicher Schritt dazu ist das Konzilsdokument Nostra Aetate – Erklärung über das
Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen. Es betont die Achtung vor
"alledem, was in diesen Religionen wahr und heilig ist" (Nostra Aetate 2).

„Nostra Aetate – in unserer Zeit“ könnte auch heute wieder ein Dokument heißen: gerade jetzt
kommen durch die massiven Wanderungsbewegungen und Flüchtlingsströme viele
Angehörige anderer Religionen in unser Land. Diese Entwicklungen erzeugen viele Ängste.
Auch wenn die zugrundeliegenden Konflikte mehr sozialer und politischer als religiöser Natur
sind, wird in der allgemeinen Wahrnehmung oft den jeweiligen Religionen die Schuld
gegeben. Gerade in dieser Situation ist es wichtig, den Informationsstand über die Religionen
zu heben, echte Probleme zu benennen und zu behandeln sowie Vorurteile abzubauen.

Die Offenheit für andere Religionen bedeutet gerade nicht ein Aufgeben eigener Standpunkte,
im Gegenteil: Nur wer in seiner eigenen religiösen Tradition sicher verwurzelt ist, vermag
auch in der interreligiösen Begegnung seinen authentischen Beitrag zu leisten. Damit diese
Spannung zwischen Offenheit und Zeugnis positiv durchgehalten werden kann, bedarf es auf
allen Ebenen kirchlichen Lebens – und besonders auch in den einzelnen Pfarren –
entsprechender Voraussetzungen:

  1. Die interreligiöse Begegnung findet in unserem Rahmen vor allem auf der Ebene
    alltäglichen Miteinanders statt. Größere Konferenzen sollen Experten vorbehalten
    bleiben.
  2. Diese praktische Begegnung erfordert gut beratene Initiativen und eine qualifizierte
    Begleitung. Dafür stehen eine Reihe von gut ausgebildeten und qualifizierten
    Laientheologen zur Verfügung.
  3. Zur Unterstützung solcher Begegnungen auf Gemeindeebene lädt der „Fachausschuss
    Weltreligionen“ des Vikariats die Pfarrgemeinderäte regelmäßig zum Austausch von
    Erfahrungen und zu Beratungen ein (Fachtage). Sie sollen Schritte zur interreligiösen
    Begegnung in unserer Stadt setzen und den Bildungsstand über fremde Religionen und
    über das eigene christliche Selbstverständnis heben.
  4. Die Begegnung mit den nichtchristlichen Religionen ist die gemeinsame Aufgabe aller
    Kirchen. Aus diesem Grund sollen christliche Initiativen zum Dialog der Religionen nach
    Möglichkeit immer ökumenisch, d.h. von allen Christen gemeinsam getragen werden.
  5. Die großen, vom Konzil genannten religiösen Traditionen der Menschheit (Judentum,
    Islam, Hinduismus und Buddhismus; vgl. Nostra Aetate) bewahren gemeinsam mit den
    Naturreligionen und den großen religiösen Strömungen Ostasiens uralte religiöse
    Erfahrungen und sind daher von jenen modernen Sekten zu unterscheiden, die mit
    fraglichen Methoden operieren und sich einem echten Dialog verweigern. Daher sollte
    man den Dialog mit den Weltreligionen klar von der Stellungnahme zu neureligiösen
    Bewegungen trennen. Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass eine derartige
    Vermischung bei den Vertretern der eigentlichen Religionen i.a. berechtigte Befremdung
    hervorruft.
  6. Vieles deutet darauf hin, dass die Gestaltung der Beziehungen von uns Christen zu
    Angehörigen anderer Religionen zu den ganz wesentlichen Zukunftsfragen der Kirche
    zählt. Damit dieses Anliegen vor Ort wahrgenommen werden kann, ist es wünschenswert,
    dass sich in jedem Pfarrgemeinderat eine Person dieser verantwortungsvollen Aufgabe
    annimmt. Wo sich das aufgrund der allgemein großen Arbeitsmenge als unrealistisch
    erweist, sollte zumindest eine Person pro Dekanat oder Entwicklungsraum zuständig
    sein und die anderen Pfarren informieren und einbinden.

2. Konkrete Aufgaben

Wirkt das Thema „Weltreligionen bzw. interreligiöser Dialog“ nicht manchmal etwas
abschreckend? Zu abstrakt, etwas für das akademische Niveau, zu weit weg von den örtlichen
Bedürfnissen einer Pfarre? Wird es nicht manchmal aufgefasst als „Luxusgegenstand“, dem
man sich erst widmet, wenn die Präsenz anderer Religionen im Gebiet als Problem erscheint?
Oder gar als Schwäche der Glaubensverkündigung, als eine Bedrohung, die vom eigenen
Glauben wegführen würde?

Legen wir als Pfarrgemeinden Zeugnis ab für die Hoffnung, die uns beseelt, vor und mit
Angehörigen anderer Religionen. Wir können zu einer friedlichen Entwicklung der
Gesellschaft um uns beitragen, indem wir positive Nachbarschaft leben – auch über die
Grenzen von Religionszugehörigkeit hinaus. In einer begegnungsoffenen Gemeinschaft
Gläubiger erfahren wir, dass die Realität anderer Religionen nicht etwas Fernes ist, sondern
vielfach mit unserer direkten Nachbarschaft zu tun hat.

  1. Ein erster Schritt für weitere Aktivitäten ist das Erfassen der Präsenz verschiedener
    Religionen im Pfarrgebiet, und zwar sowohl von einzelnen Personen als auch ggf. von
    Gemeinden und Institutionen.
  2. Ein wesentlicher Schwerpunkt des/der Pfarrverantwortlichen für Weltreligionen ist der
    Bildungsbereich: die Weltreligionen zum Thema von entsprechenden Veranstaltungen
    machen (z.B. in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Bildungswerk). Dabei ist auf ein
    adäquates Niveau zu achten: nicht bloß "Reisevorträge", weder Verteufelung noch
    Werbung, sondern differenzierte Darstellung, auch auf die Beziehung des Christentums
    zu den betreffenden Religionen eingehen.
  3. Besondere (und je nach Pfarrsituation sehr verschiedene) Bereiche der Begegnung
    bestehen einerseits in den Schulen, andererseits in sozialkaritativen Institutionen.
  4. Entsprechend der örtlichen Möglichkeiten und Bedingungen sind positive Begegnungen
    mit Angehörigen fremder Religionen anzustreben. Die Bandbreite reicht von
    Anteilnahme bei persönlichen Anlässen über Gratulationen zu religiösen Festen,
    gelegentliche Gespräche und Veranstaltungen bis zu gemeinsamen Aktionen im
    öffentlichen Interesse (Umwelt, Gerechtigkeit, Frieden, Soziales usw.)
  5. Der/die Pfarrverantwortliche wird gebeten, sich über interreligiöse Angebote in Dekanat,
    Diözese und österreichweit zu informieren und sie durch entsprechende Bekanntmachung
    bzw. Werbung mitzutragen und zu unterstützen (z.B. Hinweis im Pfarrbrief, am
    Anschlagbrett, Verlautbarungen usw.).
  6. Die Begegnung der Religionen hat auch eine liturgische Dimension. Gemeinsam
    veranstaltete Gebete können je nach den konkreten Umständen sehr bereichernd sein. Das
    gemeinsame Gebet braucht allerdings große Sensibilität in der Vorbereitung. Daneben ist
    es auf jeden Fall wertvoll, das positive Verhältnis der Religionen zueinander zum
    Gegenstand unserer eigenen christlichen Fürbitte zu machen.
  7. Selbstverständlich sollte sein, dass etwaige gegenseitige Verletzungen in
    Gottesdienstveranstaltungen und Predigt, aber auch in Pfarrbriefen und anderen
    Veröffentlichungen vermieden werden.
  8. Der Bereich des interreligiösen Dialoges ist vielfach ein spannendes und
    herausforderndes Neuland. Wer immer sich hier engagiert, sollte auch die Bereitschaft zu
    ständiger persönlicher Weiterbildung aufbringen und verwirklichen (Lektüre, Besuch
    von entsprechenden Vorträgen, Seminaren, Kursen usw.).

3. Hilfestellungen

Nostra Aetate. Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen
(Zweites Vatikanisches Konzil)

Dialog und Verkündigung. Überlegungen und Orientierungen zum interreligiösen Dialog
und zur Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi (Päpstlicher Rat für den Interreligiösen
Dialog/ Kongregation für die Evangelisierung der Völker; Verlautbarungen des Apostolischen
Stuhls Nr.102, 19.Mai 1991)

Religionen unterwegs. Zeitschrift des Forums für Weltreligionen in Österreich

Petrus Bsteh, Christen begegnen Muslimen (Handreichungen zur Pastoral Nr.17), ders.
Muslime begegnen Christen (Handreichungen zur Pastoral Nr.20)

Monika und Udo Tworuschka: Reihe Was jeder über ... wissen muß.

Christian Troll SJ: Muslime fragen – Christen antworten (Topos-Verlag, 2009)

4. Kontakte