Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Samstag, 7. November 2020
Vikariat Wien-Stadt: Kurs für Leiter/innen von Wort-Gottes-Feiern mit Kurzansprache, Teil 3
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Samstag, 14. November 2020
Vikariat Wien-Stadt: Ausbildung für Leiter von Wort-Gottes-Feiern, Modul Kurzansprache
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Samstag, 14. November 2020
Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
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Samstag, 16. Januar 2021
Vikariat Wien-Stadt: Kommunionhelfer/innen-Grundkurs
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Samstag, 20. Februar 2021
Vikariat Süd: Leitung von Wortgottesfeiern mit Kurzansprache (Teil 1 von 5)
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Buchempfehlung:

Klaus Roos,

Weichen stellen im Pfarrgemeinderat

Matthias Grünewald-Verlag, 2006

Weichen stellen im PfarrgemeinderatIn drei großen Abschnitten legt Klaus Roos, Pastoraltheologe und Leiter des Instituts für Theologisch-Pastorale Fortbildung im bischöflichen Ordinariat Würzburg, ein Grundlagenbuch vor, das allen gute Dienste leisten möchte, die in Pfarrgemeinden mitarbeiten und / oder Verantwortung tragen. Sowohl dem Pfarrer, der in einer Pfarre die Leitungsfunktion ausübt, wie auch jenen, die ehrenamtlich als Pfarrgemeinderat Mitverantwortung tragen. Dass dem Pfarrgemeinderat für die konkrete Gestaltung der Seelsorge und den damit verbundenen Aufgaben in einer Pfarre eine gewichtige Rolle zukommt, steht für den Autor dabei außer Frage. Wie ein Leitmotiv zieht sich demnach durch das ganze Bucht die Frage, wie diese Rolle fundiert und angemessen gestaltet und wahrgenommen werden kann.

Der erste Teil „Hintergründe verstehen“ legt in bestechend einfacher und nachvollziehbarer Abhandlung das geschichtliche Werden und die Verankerung des Pfarrgemeinderats im Selbstverständnis der Kirche dar. Dabei kommen wesentliche Grundfragen zur Sprache: der Auftrag, die „Mission“ der Kirche, die wesentlichen Aufgaben im Bereich der vier Grunddienste, der Platz und das Zusammenspiel der vielfältigen Einrichtungen, Bewegungen und Organisationsformen der Kirche, jeweils in Rückbezug auf den Auftrag Jesu.
Die Pfarre wird betrachtet als Teil eines Netzwerkes, das viele kirchliche Initiativen und Bewegungen miteinander verknüpft und zueinander in Beziehung bringt. Der Pfarrgemeinderat wiederum ist darin das Gremium, das die vielfältigen Formen des Laienapostolates koordiniert und auf ein gemeinsames Ziel hin ausrichten soll und das den Leiter der Gemeinde in der Ausübung seiner Leitungsverantwortung unterstützt.
Ein wichtiges Instrument der Selbstorganisation des Gottesvolkes ist der Pfarrgemeinderat, der Mitverantwortung dafür hat, dass dieses Volk den Spuren Jesu folgt und dass die Kirche den Weg des Evangeliums geht, das heißt mit den Menschen… Freude und Hoffnung, Trauer und Angst teilt und so zum Zeichen der Nähe Gottes wird mitten in der Welt.“ (S 127)

Klaus Roos versteht es hervorragend, die wesentlichen Gedanken des 2. Vatikanischen Konzils und der anschließenden theologischen Diskussion im deutschsprachigen Raum verständlich, klar und überzeugend darzulegen und gibt damit jedem Pfarrgemeinderat ein sicheres Fundament über seine Aufgaben, Chancen und Grenzen in der derzeitigen kirchengeschichtlichen Situation:

Der Pfarrgemeinderat und die anderen Räte sind ein erster Versuch, Instrumente zu entwickeln, mit deren Hilfe das Gottesvolk seine Verantwortung für die Sendung der Kirche wahrnehmen kann…In der kirchlichen Struktur, vor allem auch in der Leitungsorganisation, muss sowohl die gemeinsame Verantwortung des ganzen Gottesvolkes zur Geltung kommen wie auch die besondere Rolle und der spezifische Auftrag des kirchlichen Amtes. Der Pfarrgemeinderat verkörpert dann sozusagen das synodale Element… das hierarchische Element kommt zum Ausdruck im Amt des Pfarrers. Es verweist darauf, dass die Gemeinde…rückgebunden und vorwiesen ist auf ihren Grund und Ursprung Jesus Christus.
So sehr also gilt, dass die Gemeinde selbst Subjekt ihres Handelns ist, so ist sie doch nicht einfach „ihr eigener Herr“.“ (S 54f)

Der zweite Teil „Gemeinde gestalten“ beantwortet die Frage, auf welchem Weg der PGR zu einer qualitätvollen Seelsorge beitragen kann. Wieder sind die Wegmarken, die hier genannt werden sowohl für die Arbeit des Pfarrgemeinderates relevant wie auch für die Pfarrer (Priester), die mit dem Pfarrgemeinderat in der Ausübung ihrer Leitungsaufgabe zusammenwirken sollen:
Personalentwicklung – also die Frage, was Menschen zur Übernahme einer ehreamtlichen Aufgabe Anreiz geben kann und welche Grundlagen sie dafür erwarten und brauchen, um sie qualitätvoll auszuüben;
Gemeindeentwicklung – also die Frage, wodurch – wie –und woraufhin sich Gemeinden „bewegen“ und „bewegen lassen“;
Leitbildentwicklung – also die Frage nach der Verständigung über das Ziel allen Tuns in einer Pfarre.

Wieder gibt der Autor auch in diesem Kapitel sehr wertvolle Hilfestellungen, wie das gehen kann: Wert legen auf Qualität, MitarbeiterInnen gewinnen, begleiten, fördern, eine „lernende Organisation“ zu werden und dabei ein Leitbild, ein Ziel vor Augen haben.
Durch eine Reihe von Beispielen aus der pastoralen Arbeit ist dieses Kapitel einerseits sehr praxisnahe, andererseits können Einzelbeispiele durch den Rest des „Unpassenden“ auf die eigene Situation hin das Gefühl von Unübersichtlichkeit erzeugen. Die hier stärker verwendete Sprache der Organisationsentwicklung mag nicht allen Lesern vertraut sein und so kann es zu dem Eindruck kommen, man müsse ein Unzahl von Dingen gleichzeitig beachten und „beherrschen“, um die Arbeit im Pfarrgemeinderat „richtig“ zu machen.
Gewiss aber ist dieses Kapitel darauf hin ausgelegt, den Pfarrgemeinderat behutsam an seine eigentliche Aufgabe für das Gesamt der Pfarre heranzuführen, was neben den vielen Aufgaben, die jeder einzelne darin in der Pfarre übernommen haben mag, sehr leicht zu kurz kommen kann. Dabei ist dem Autor bewusst, dass es sich um längerfristige Prozesse handelt, die nicht mit einmaliger Aneignung geschehen sind, sondern auf verschiedene Weise immer neu in Angriff genommen werden müssen, weil es sich dabei auch um Umstellungen im Verhalten und in den Grundeinstellungen der Betroffenen handeln mag.

Das Schlusskapitel „Akzente setzen“ reflektiert verschiedene „Optionen“ für den roten Faden der Pastoral, den eine Pfarre verfolgt oder verfolgen mag, eine Pastoral der Gastfreundschaft, eine „Mystagogische Seelsorge“  und eine Pastoral der „Tiefe“, aus den Wurzeln des Evangeliums.

Der Titel „Weichen stellen in Pfarrgemeinderat“ ist anspruchsvoll gewählt – das Buch gibt nicht vor, ein Konzept zu liefern, das man nur geradewegs in die Praxis umsetzen müsste, um bei sich zu Hause die Weichen gestellt zu haben. „Ein Leitfaden zur Gemeindeentwicklung“ (Untertitel) ist es vielmehr auf lehrreiche, kurzweilige und dort wo es einen betrifft auch hilfreiche Weise ganz sicherlich. Über die größten Teile auch für Leser mit wenig Vorkenntnissen verständlich, ohne zu verkürzen oder sträflich zu vereinfachen, fördert es die Arbeit im und mit dem Pfarrgemeinderat und vermittelt wichtige Kompetenzen, pastorale Fragen der Pfarre verantwortlich mit zu gestalten.


Wichtiger Hinweis:

Das Buch ist derzeit leider vergriffen!

Klaus Roos
Weichen stellen im Pfarrgemeinderat
Ein Leitfaden zur Gemeindeentwicklung
152 Seiten, kartoniert, 20,5 cm
1. Auflage Februar 2006
Matthias-Grünewald-Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern
ISBN 3-7867-2591-8