Pfarrgemeinderat

in der Erzdiözese Wien


Termine

Samstag, 23. März 2019
AUSGEBUCHT Vikariat Wien-Stadt: Einführungskurs in den Dienst als Lektorin/Lektor
- mehr …
Dienstag, 26. März 2019
Vikariat Wien-Stadt: Besinnungsabend für Mitwirkende in der Liturgie
- mehr …
Dienstag, 26. März 2019
Vikariat Wien-Stadt: Fachabend Finanz- und Pfarrverwaltung für Mitglieder der Vermögensverwaltungsräte
- mehr …
Montag, 1. April 2019
Vikariat Wien-Stadt: Natur, Religion und Wissenschaft - ethnische Religionen und Animismus-Debatten
- mehr …
Mittwoch, 3. April 2019
Vikariat Wien-Stadt: Besinnungsabend für Mitwirkende in der Liturgie
- mehr …

Pfarrgemeinderat und Spiritualität

Gott in der Pfarre Raum geben

Gott Raum geben, in der Pfarre und in meinem persönlichen Leben – dazu sind wir eingeladen. Wie geht das konkret?

Manchmal wissen und spüren wir: da ist (war) mir Gott nahe. Manchmal merken wir nichts. Und manchmal rechnen wir nicht mit Gott. Ein Gott der Überraschungen, menschenfreundlich, lockend, auch herausfordernd. Gott Raum geben, in der Pfarre und in meinem persönlichen Leben - dazu sind wir eingeladen.

Eine Gemeinde, die Leben atmet

Zu tun gibt es viel, zu viel. Es ist wie eine Spirale, aus der es schwer zu entkommen ist …Will das Gott so?

Nun stellen Sie sich vor, dass die Mitglieder der Pfarrgemeinde sich freundlich begrüßen, ehrlich nach dem Befinden erkundigen, gerne anpacken, neue Gesichter entdecken und ansprechen …

Wo ich mich zu Hause fühlen kann, wo ich wahrgenommen werde, wo mir zugehört wird, wo die Liturgie die Begegnung mit dem lebendigen Gott und die Begegnung miteinander erleben lässt, wo wir ehrlich und wahrhaftig miteinander reden, wo sowohl Versöhnung als auch das Fest ihren Platz haben, wo wir uns gegenseitig stärken im Widerstand gegen das erdrückende Viele - da können Menschen aufatmen und etwas von dem Atem Gottes, dem Geist Gottes erahnen, der uns zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes führen will.

Gott meint mich persönlich

Wir sagen, dass uns etwas „anspricht”. Jede Situation, in der wir stehen, spricht zu uns. Und wir geben Antwort, indem wir reagieren und handeln. Hat darin auch Gott ein Wort mitzureden? Vielleicht spricht Gott uns in den Dingen und Menschen an und lädt uns zur Antwort ein. Solch ein Anruf, im Kleinen des Alltags oder im Gesamten unseres Lebensentwurfs, meint das Wort „Berufung”. Berufung ist nicht nur für Priester und Ordensleute, sondern für uns alle grundlegend. In der Taufe wird es ausdrücklich gemacht: wir sind von Gott zum Christsein berufen, zum Leben mit IHM, damit wir für andere ein Segen sein können. Unser Leben ist unsere Antwort. Dass mich der Pfarrer oder jemand anderer aus der Gemeinde angesprochen hat, als Pfarrgemeinderätin bzw. Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten, kann (muss nicht automatisch) ein menschlicher Anruf von Gott gewesen sein. Mein eigener Weg, mein persönliches Gebet und Handeln, all das hält die Beziehung zu Gott wach und lässt die Quelle in mir wieder neu sprudeln. Und wenn wir uns überfordert fühlen, dürfen wir vertrauen, dass der Geist Gottes in uns betet (wie Paulus es sagt).

Gottes Geist ist konkret

TIPP FÜR DIE PRAXIS

Bei dem Bisherigen fragen Sie vielleicht: Und wie geht das?

Einige Hinweise dazu:

Persönliches Gebet und der Dienst in der Pfarrgemeinde

Was hat mein persönliches Beten mit dem Dienst für meine Pfarrgemeinde zu tun?

Vielleicht kennen Sie diese Idealvorstellung von Beten: „Mein Gebet ist dann besonders gelungen, wenn ich in Stille, zurückgezogen von der Welt, mich ohne Ablenkung ganz mit Gott verbunden weiß“. Wenn Gebet auf diese Weise gelingt, ist es ein großes Geschenk und hat einen großen Wert. Aber es ist auch Gebet möglich, das gerade den Lärm und das Getriebe der Welt nicht ablegt, sondern vor Gott bringt.

Beten im Lärm und Getriebe der Welt

Eine Weise des persönlichen Betens kann darin bestehen, sich nicht vom „Lärm und Getriebe der Welt“ zu distanzieren, sondern diese mit ins Gebet hinein zu nehmen und vor Gott zu bringen.

Das Thema unserer Gebetszeit wird oft Bitte um Vergebung und um Hilfe für mich und andere sein, oder Dank für alles Gute, das ich erlebt habe, das mir geschenkt worden ist. Ich kann IHM aber auch alles erzählen, was ich erlebt habe - ohne besondere Absicht, ohne dass ich Dank sage oder etwas von ihm erbitte. Ich erzähle, was mir einfällt. Ich lasse mich sozusagen „ablenken“. Ich spreche beispielsweise davon, was ich heute im Büro, in der Familie, beim Einkaufen… erlebt habe, was in meiner Pfarrgemeinde gerade Thema ist, welche Entscheidung in der nächsten Sitzung ansteht. Wie mit meinem besten Freund, meiner Freundin kann ich mit IHM ins Gespräch kommen. Schon allein durch dieses Erzählen verändert sich etwas. Mit einem Vergleich ausgedrückt: So wie es in einem Gemälde Vordergrund und Hintergrund gibt, manches in den Blickpunkt gerückt ist, anderes eher an den Rand – so sehen wir auch unser Tun perspektivisch: das eine ist wichtiger als das andere, verdient mehr Aufmerksamkeit und Zeit, tue ich zuerst, mit mehr Engagement usw. Indem ich auf Gott blicke, können sich die „Dinge“ meiner Welt in einer anderen, eigenen, „göttlichen“ Perspektive darstellen. Gott, der der Herr der Geschichte ist, ihr Ursprung und ihr Ziel, verändert meinen Blickwinkel.

Im Gespräch mit IHM zeigt sich vielleicht (und auch das darf sein), dass ich nicht Gott und den Nächsten liebe. Es zeigen sich meine Interessen, meine Motive, warum ich etwas tue, anderes wiederum nicht tue. Das wahr-zunehmen, hat einen großen Wert! Es hilft, meine Wünsche, Gedanken und Gefühle zu ordnen, auf Gott hin auszurichten, sie in die richtige „Perspektive“ zu rücken.

Wenn mein Sprechen mit Gott echtes Gespräch ist, werde nicht nur ich reden, sondern ich werde auch IHN zu Wort kommen lassen. Ich kann IHN fragen, was SEIN Wille ist – nicht abstrakt und allgemein, sondern in einer bestimmten Angelegenheit, einer bevorstehenden Entscheidung, anstehenden Änderung in meinem Leben, im Umgang mit anderen... Ich kann IHN bitten, mir die Kraft und die Einsicht zu schenken, klarer meinen Weg in der Nachfolge Christi erkennen und entschiedener wählen zu können. Und ich kann ihn bitten – wieder ganz konkret –, mir zu zeigen, was der nächste gute Schritt auf diesem Weg ist.

Mein Dienst für die Pfarrgemeinde im Gebet

Was für mein ganzes Leben gilt – und das ist ja Thema dieses „Gebets im Getriebe der Welt“ – gilt auch für meinen Dienst in meiner Pfarre. Ich kann im Gebet Dank sagen für das, was in unserer Gemeinde gelungen ist, um Hilfe und Vergebung bitten für all die Schwierigkeiten, die in meiner Pfarre auch da sind. Es ist gut, Gott zu erzählen, was sich in den letzten Tagen in unserer Pfarrgemeinde zugetragen hat, was ich wahrnehme und empfinde – um es mit den Augen Gottes und aus seiner Perspektive zu sehen. Und ich kann ihn bitten, mir zu zeigen, wie es nach seinem Willen in unserer Gemeinde weitergehen soll, was ich dazu beitragen kann.

Woran kann ich erkennen, was der Wille Gottes ist?

Absolute Gewissheit darüber zu erlangen ist schwierig. Aber einige Hinweise, die der Hl. Ignatius von Loyola gibt, können hilfreich sein.

Eher für den Willen Gottes spricht:

Wie geht es konkret - meinen Dienst für die Pfarrgemeinde und Gebet zu verbinden?

TIPP FÜR DIE PRAXIS

Ein Vorschlag für eine Gebetszeit am Abend (20 min.):

  1. Ankommen vor Gott: Ich bin da – vor Gott – um zu beten; Kreuzzeichen
  2. Vorbereitungsgebet: Gott bitten, dass er meine Aufmerksamkeit ganz auf ihn ausrichte (z.B. Ehre sei dem Vater …)
  3. Gott, Jesus erzählen, was ich heute erlebt, gefühlt, getan… habe: unter dem wohlwollenden Blick Gottes, „absichtslos“, ohne es gleich zu bewerten (das war richtig/falsch oder gut/schlecht); erzählend wahrnehmen, wo ER heute am Werk war
  4. Mit Gott, mit Jesus ins Gespräch kommen wie mit einem guten Freund, einer guten Freundin – dankend, um Hilfe oder um Vergebung bittend, fragend wie es nach seinem Willen in unserer Gemeinde weitergehen soll …
  5. Den Tag vertrauensvoll zurück in die Hände Gottes legen (z.B. „Herr, auf dich vertraue ich, in deine Hände lege ich mein Leben!“)
  6. Abschlussgebet (z.B. Vaterunser); Kreuzzeichen
  7. Nach der Gebetszeit: kurze Rückschau – Wie geht es mir jetzt? Was ist mir aufgegangen? Was sehe ich als nächsten Schritt? (evtl. aufschreiben)

Gemeinsam entscheiden – in einem geistlichen Prozess?

Die Chance einer geistlichen Entscheidungsfindung in Gemeinschaft

Bei Entscheidungen, die gemeinsam getroffen werden sollen, treten häufig folgende Probleme auf:

Die „geistliche Entscheidungsfindung in Gemeinschaft“ versucht, solche Fallen zu vermeiden. Dabei ist die Haltung aller Beteiligten zum Entscheidungsprozeß sehr wichtig: Will hier jede(r) seine Meinung und seine Interessen „durchdrücken“ oder suchen wir gemeinsam nach der Lösung, die wir miteinander für die bessere halten? Geistlich lässt sich diese Frage so formulieren: Suchen wir gemeinsam nach dem, was mehr dem Willen Gottes entsprechen könnte, oder ist hier jede(r) nur auf den eigenen Vorteil bedacht? Wenn ein solches geistliches Fundament wenigstens im Ansatz vorhanden ist, kann dies dem Beratungsprozess jene Freiheit geben, die nötig ist, um wirklich offene Fragen stellen zu können.

Dies bedeutet auch, dass jede(r) sich um eine gewisse „Indifferenz“ gegenüber den Wahlalternativen bemüht. Das bedeutet nicht, dass mir die angebotenen Lösungsalternativen egal sind; vielmehr heißt es, offen zu sein für verschiedene Lösungsmöglichkeiten und sich nicht vorschnell an einer bevorzugten Lösung festzubeißen. Um Ruhe und Klarheit im Beratungsprozess herzustellen, ist es nötig, zu Beginn folgende Punkte möglichst gut zu klären: Wer darf an diesem Entscheidungsprozeß teilnehmen mit welcher Entscheidungskompetenz? Welche Frage (möglichst präzise) steht zur Entscheidung an? Nach welcher Vorgehensweise wollen wir diesen Prozess gestalten?

Wenn es gelungen ist, eine klare Frage zur Entscheidung herauszuarbeiten, kann der eigentliche Prozess der geistlichen Unterscheidung beginnen. Schnelle Fraktionsbildungen können vermieden werden, wenn zunächst gar nicht die Frage auftaucht „Wer ist für diese Lösung? Wer ist für die andere?“, sondern wenn Gründe für und gegen jede der Wahlalternativen vorgetragen werden.

Die Gründungsväter des Jesuitenordens etwa trafen sich jeweils am Abend zu ihren Beratungen über die Ordensgründung. An einem Abend sollten alle Argumente sammeln, die für die Lösung A sprechen; abends darauf alle Gründe gegen Lösung A. Wieder einen Tag später äußerten sich alle mit ihren Gründen für Lösung B, tags darauf gegen Lösung B. Das bedeutete, dass schließlich jeder Gründe für und gegen jede der Lösungsmöglichkeiten vorgetragen hatte. Dieses Vorgehen verschafft eine völlig neue Einstellung zu den Lösungsmöglichkeiten. Tagsüber sollte dann jeder alle Argumente, die er gehört hatte, mit ins Gebet nehmen.

Der regelmäßige Rückzug ins persönliche Gebet und die beständige Bitte an Gott, er möge uns den besseren Weg zeigen, reduziert die Gefahr, dass eine Entscheidung zu sehr von Sympathien und Antipathien oder persönlichen Animositäten beeinflusst ist. Außerdem hilft es, die Argumente in der Form eines Anhörkreises vorzutragen: jede(r) darf seine Gründe vortragen, ohne dabei von anderen unterbrochen oder kritisiert zu werden. Dies gibt jedem/jeder ungefähr die gleiche Chance, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen.

Wenn alle Argumente gehört wurden, soll jede(r) in der oben genannten Form der Unterscheidung der Geister bei sich klären, für welche Lösung er/sie sich entscheidet (siehe „Woran kann ich erkennen, was der Wille Gottes ist?“). Dann trägt jeder seine Entscheidung vor. Hat man sich vorher auf ein Mehrheitsvotum verständigt, mag die Entscheidung bald fallen. War Einstimmigkeit angezielt, ist solange fortzufahren, bis alle einer Lösung zustimmen können. In dieser Phase ist es sehr wichtig, darauf zu achten, ob sich bei der gefundenen Lösung so etwas wie „geistlicher Trost“ zeigt (Geistlicher Trost ist nicht nur „ein gutes Gefühl“, sondern eine Bewegung auf Gott hin, bei der sich – nach Ignatius – Zufriedenheit, Hoffnung, Freudigkeit, innerer Friede einstellt). Wenn das nicht der Fall ist, liegt es nahe, dass man sich auf einen faulen Kompromiss geeinigt hat; und es ist dann kaum zu erwarten, dass es zu einer fruchtbaren Umsetzung der Entscheidung kommen wird. Kann die ganze Gruppe jedoch in Frieden und Zuversicht zu der Entscheidung stehen, ist dies ein Anzeichen, dass sie vom guten Geist gewirkt sein mag.

Gemeinsam entscheiden, um ein aktuelles Problem zu lösen -

Wie geht das konkret?

Tipp für die Praxis

Angenommen, eine Pfarrgemeinde erfährt, dass sie nach der Ablösung des jetzigen Pfarrers keinen eigenen Priester mehr haben wird und dass der Nachbarpfarrer die Pfarre mitverwalten soll. Der zukünftige Pfarrer teilt dem Pfarrgemeinderat mit, dass er statt der bisherigen drei Sonntagsmessen in Zukunft nur noch eine wird halten können. Und er bittet um einen Vorschlag für die zukünftige Gottesdienstordnung.

Der PGR könnte sich darauf verständigen, in drei aufeinander folgenden Sitzungen eine geistliche Entscheidungsfindung in Gemeinschaft zu versuchen (dabei muss nicht jede Sitzung ganz mit diesem Thema gefüllt sein). In der ersten Sitzung werden einige Lösungsmöglichkeiten andiskutiert, und man verständigt sich auf zwei oder drei Lösungen, die zur Entscheidung gestellt werden. Bis zur zweiten Sitzung überlegt sich jeder seine Argumente für und gegen jede der Lösungen. Diese Argumente werden dann in einem Anhörkreis vorgetragen und vielleicht auch danach diskutiert. Eventuell können auch zwischen den Sitzungen andere Gemeindemitglieder eingeladen werden, ihre Meinung zu den Alternativen zu äußern. In der dritten Sitzung wird dann nach einer Gebetsstille eine Entscheidung getroffen. Solch eine Vorgehensweise verspricht eher eine konstruktive gemeinsame Lösung, als wenn man sich in einer Sitzung zuerst die Köpfe heiß redet und dann diese emotional aufgeladen mit einer Kampfabstimmung endet.

„Förderung Geistlichen Lebens“ – Unser Dienst für Sie

Gerne unterstützen wir Sie in folgenden Bereichen:

Nähere Informationen finden Sie im Pastoralamt - Referat für Spiritualität.